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Thema: NLH erkennen

Quelle: rudelstellungen.de
Datum: 09.01.12 – 30.01.12

Ausgangsfrage:
Woran erkennt man den NLH wenn er als Einzelhund unterwegs ist?
Welche Fragen könnte man einem Hundehalter stellen über das Verhalten seines Hundes, wenn man den Verdacht hat, es könnte ein NLH sein?

kage
Stellungsstark:
Baut sich auf bei Außenreize. Erstarrt zur Statue. Wartet dass der Bindehund auf ihn zukommt.

Stellungsschwach:
Ängstlich - geht mehr rückwärts als vorwärts. Also man sieht eher ein Rauslaufen aus der Situation.

Gemeinsam: alles langsam und devot. Keine Hektik am Anfang.

kristinmitpodi
Auf meinem ersten Workshop wurde 3 Monate alter Nachrang Welpen (also N2, N 3 und NLH) vorgestellt und mit einem MBH (mittelgroßer Straßenhund aus Osteuropa) zusammengebracht.
Die Junghunde kamen erst einmal fröhlich hopsend an.
Der NLH erstarrte jedoch abrupt, als er den MBH sah, und raste dann zu der Menschengruppe. und stellte sich sofort zwischen Beine, Blick auf den MBH, um Schutz zu suchen, der ihm dann auch gewährt wurde.
Kurz vorher war gerade dieses Verhalten als typisch geschildert worden, sowohl das Erstarren als auch die Tatsache, dass der NLH bei seinen Menschen Schutz sucht, wenn er keinen N 3 oder wie in diesem Fall, einen zu jungen und daher nicht vertrauenswürdigen N3, hat und einer unpassenden Stellung wie dem MBH begegnet.

kage
Es ist auch für mich immer total spannend, welche Kraft solche jungen Welpen aus der Stellungsfähigkeit schon bei erwachsenen Hunden ausüben. Man kann sich gut vorstellen, welche Kraft dahinter steht.

kristinmitpodi
So einen Mischlingsrüden gibt es hier. Leider treffe ich ihn selten und das Frauchen rennt immer eilig weiter, lässt ihren Hund hinter sich zurück.
Mein N3 fand ihn toll, wobei sie ja sonst alles anfällt, was ihr fremd ist und unterwegs begegnet.

User 27
Schreibt, dass ihm in der Hundeschule gesagt wurde, er solle seinem NLH verbieten, sich direkt hinten an den Haltern anzuhängen, der Hund würde den Halter treiben. Er habe vor ihm zu gehen

JaniN
Ich gehöre auch zu den NLH-Besitzern, die schnell das Weite gesucht haben, wenn ein Hund in Sichtweite war.
Mittlerweile (3 Monate nach Einschätzung durch Barbara) ist mein NLH viel entspannter bei Hundebegegnungen. Er muss sich die anderen Hunde nicht mehr durch Bellen und Schnappen vom Hals halten.
Das Wissen um die Rudelstellungen bedeutet für meinen Hund eine Verbesserung der Lebensqualität, obwohl ich mit Sicherheit noch viele Fehler in den Augen meines Hundes mache;)

kristinmitpodi
Nun muss ich aber sagen, dass ich mit N3 durchaus auch das Weite suche (mit Hund), wenn ich sehe oder weiß, dass der andere seinen Hund nicht bei sich behält. Dies ist also ein Indiz für unverträgliche/ bei Artgenossenbegegnungen schwierige Hunde oder vielleicht auch für ängstliche Hundehalter.

kage
Ja hast Du gut erfaßt.
NLH alleine und N3 alleine sollten grundsätzlich mit viel Fingerspitzengefühl in Punkto Hundebegegnungen geführt werden.
Besser sie aus der Situation führen. Und nur wirklich Hundekontakte zulassen, die dieser Stellung gut tun.

JaniN
Das Weite suchen gilt natürlich für mich gemeinsam mit Hund;) Hatte ich blöd ausgedrückt. Wir haben jetzt seit ca. 3 Monaten nur ausgewählte Hundekontakte und ich merke, NLH geht es dadurch besser.
Erst gestern hatte ich ein tolles Erlebnis auf der letzten Gassirunde. NLH wurde auf einmal langsamer und fing an zu staksen. Ich habe ihn gefragt, was los sei, daraufhin hat er sich hinter mir einsortiert.
Als wir dann um die Kurve bogen, sah ich NLHs "Erzfeind" keine 10 Meter vor uns. Vor 2 Monaten noch wäre mein Hund knurrend stehen geblieben. So habe ich mich einfach nur bedankt bei ihm und wir sind langsam mit einigem Abstand weitergelaufen.
Das sind die Augenblicke, die mich unheimlich stolz auf meinen Hund machen. Trotz vieler Fehler in der Vorgeschichte, gibt es einen Weg zurück zu mehr Ausgeglichenheit.
Ich weiß nicht, ob es typisch für alle NLHs ist, aber mein kleiner NLH dreht sich während des Spaziergangs immer wieder um, bleibt evtl. mal kurz stehen und geht dann weiter.

kage
Ja das ist normal wenn er sich vor Dich begibt. Er macht es bei Menschen ab und zu, wenn er merkt man ist nicht bei ihm in Gedanken. Akzeptiere es, denn man kann als Mensch nicht 100% immer bei seinem Hund sein, aber lasse es auch als Hinweisschild für Dich stehen, dass Du ab und zu wieder in Gedanken bei Deinem Hund bist, auch wenn nichts zu regeln gibt.

fellfreund
Ich frage mich gerade, inwiefern möglicherweise Fremdhundebegegnungen für den N3 entspannter werden, wenn er nun seinen NLH endlich gefunden hat....

kage
Wird selbstverständlich sofort entspannter. Er ist geschützt automatisch
durch die Anwesenheit seines NLH und damit außer jeder Gefahr, angegangen zu werden.

User14
Geht ebenfalls aus dem Weg, wenn er und sein NLH anderen Hunden begegnet. Früher hätte er die Meinung gehabt, Hunde müssten es auch mal aushalten, auf engem Weg an anderen vorbei zu laufen, nun sei es jedoch sehr viel entspannter und der Hund zeige echtes Vertrauen in seine Halter und Zuversicht, dass diese ihn nicht mehr wissentlich in schwierige Situationen bringen.

 karosa
Man denkt sich vielleicht, es kann so schwer nicht sein, einfach mal kurz die Klappe zu halten, aber was das in einem Hund wirklich auslöst, wenn der Hund, den er passieren muss, ihn bedroht bzw. mit Blicken auf Abstand haben will o.ä., und wir ziehen dann direkt an dem anderen Hund vorbei und wundern uns, warum es zu Leinenpöbeleien kommt.
Da wir letztlich so wenig von der Kommunikation verstehen, sollten wir nicht immer so tun, als wüssten wir es besser, sondern akzeptieren, was den Hunden Entspannung bringt.

calua
ich habe das bei uns so beobachtet:
wenn ich einen geraden schmaleren Weg einfach geradeaus laufe,
und ein fremder Hund taucht in der Ferne auf,
dann beobachten meine Hunde mich.
und ich bin davon überzeugt,
dass es sie beunruhigt,
wenn ich so "zielgerichtet geradeaus" auf dem fremden Hund zulaufe.
Dann spannen sie sich mehr und mehr an, je, näher der andere Hund kommt,
wurscht,
ob es ein altbekannter Hundekumpan ist, mit dem sie sich wirklich gut verstehen,
oder ein fremder Hund.
gehe ich in einem kleinen Bogen,
findet diese Verspannung nicht statt.
Dieses direkte aufeinander-zulaufen (weil der Weg es eben nicht anders zulässt)
verunsichert sie sehr.
(ich schlage mich mit den Hunden inzwischen immer ins Gebüsch, Böschung
hoch, Böschung runter, egal. sieht sicher oft aus, als hätte ich einen Knall.)