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Thema: Unerwünschtes Verhalten oder normaler Job des V2?
Quelle : Forum rudelstellungen.de
Datum: 11.03.12-13.03.12

Sanne
Wenn ich mit meinen beiden unterwegs bin, beobachte ich öfters Folgendes:
Wenn wir einem fremden Hund begegnen, will mein V2 immer sofort hin. Ich versuche, ihn noch kurz bei mir zu behalten und gebe ihm dann eine Freigabe.
Hündin Yeli V3 halte ich nach Möglichkeit bei mir.
Wenn jetzt V2 rausgeht, stellt er sich erstmal nur hin und schaut. Kommt der Fremdhund nicht näher, ordnet er sich irgendwann wieder ein.
Kommt der andere Hund dann zu ihm, zeigt er fast immer ein abschirmendes Verhalten.
Er stellt sich immer wieder quer vor den anderen Hund, signalisiert aus meiner Sicht dem anderen Hund, dass der nicht in unsere Gruppe rein soll.
Ich empfinde ihn dabei nicht als besonders aggressiv, aber trotzdem als durchsetzungsfähig. Also er läuft z.B. meistens mit weichem federndem Schritt (ist ja auch ein Pudel *g*) zu dem anderen Hund hin, nicht steif oder drohend. Wobei er als Pudel ja die Nacken- und Rückenhaare nicht sichtbar aufstellen kann, was sein Verhalten für mich manchmal schwerer zu beurteilen macht.
Wenn er dort ist, steht er in aufgerichteter Körperhaltung quer vor dem
anderen Hund.
Akzeptiert der andere Hund das nicht und will trotzdem zu mir und Yeli V3 laufen, bellt er auch manchmal.
Kommt der Hund nahe zu uns hin oder ist auch Yeli V3 zu dem Hund gelaufen, versucht er richtig, "seinen" V3 abzuschirmen. Stellt sich immer wieder zwischen die Hunde etc.

Er hat dieses Verhalten auch schon mit 5 oder 6 Monaten gezeigt, da habe ich immer versucht, es zu unterbinden. In der letzten Zeit habe ich jetzt öfter auch einfach beobachtet...
Normalerweise würde ich es für das Verhalten eines potenten Rüden halten, der "seine" Hündin vor fremden Rüden verteidigt.
Allerdings hat er es ja schon sehr früh gezeigt (sein sexuelles Interesse an Yeli begann erst mit ca. 12 Monaten) und er macht das durchaus auch mal bei Hündinnen.

Wie würdet ihr das interpretieren? Unangemessenes Verteidigungsverhalten oder angemessenes Verhalten eines stellungsstarken Hundes, der keine falschen Stellungen in seiner Gruppe haben will?
Die Wahrscheinlichkeit, dass wir passende Hunde finden, ist ja relativ gering. Denn vorrangige Bindehunde haben wir ja schon genug und nachrangige sollten eigentlich nicht auf die Gruppe treffen bei fehlendem MBH...

Mir ist sein Verhalten auch gar nicht so unrecht, denn meine Hündin versteht sich ja nicht so gut mit anderen Hunden und gerät leicht in Stress wenn wir fremden Hunden begegnen. So kann ich sie ganz gemütlich bei mir behalten, während Goethe V2 sich um den anderen Hund kümmert.
Wenn er wirklich nur entscheidet, ob der Hund zu uns passt oder nicht, wäre das natürlich ideal, denn dann wüsste ich, ob Yeli V3 auch Kontakt aufnehmen darf oder nicht.

Neulich haben wir übrigens einen Labbi getroffen, der - wie eigentlich alle unkastrierten Rüden - großes Interesse an meiner Hündin hatte. Das Frauchen ging einfach weiter, in der Annahme, der würde schon bald nachkommen.
Sie rief auch ein paar Mal, was dem Rüden herzlich egal war.
Dieser Hund passte für mein Gefühl sehr gut zu uns, mein Rüde schirmte ihn nicht deutlich ab, meine Hündin versuchte nicht, ein wildes Renn- und Prügelspiel mit meinem Rüden anzufangen. Alle drei Hunde liefen gemütlich herum, der Labbi immer hinter meiner Hündin V3 her, wobei er hauptsächlich an ihrem Hintern schnuppern wollte, also v.a. sexuelles Interesse.
Nach ca. 10 oder 15 Minuten musste ich dann schließlich den Rüden wegschicken, denn seine Besitzerin lief inzwischen in eine andere Richtung und er machte keinerlei Anstalten zu folgen und ich weiß nicht, wie lange er sonst bei uns geblieben wäre.

Mein Verdacht ging hier schon in Richtung stellungsschwacher MBH, wobei wir ihn am nächsten Tag noch mal trafen und mein Rüde ihn da dann nicht mehr so gerne in der Gruppe haben wollte.
Ich muss auch sagen, so wie mein Rüde momentan agiert, finde ich das voll in Ordnung und auch ganz hilfreich für mich. Nur habe ich irgendwie Bedenken, dass die Sache in deutlich aggressives Verhalten umschlägt, wenn er etwas älter ist. Er ist ja erst 14 Monate.
Wie seht ihr das?

Zerafina
Wie ist das mit dem wilden Renn und Prügelspiel? Warum macht V3 das mit V2 und in welchen Situationen? Wenn V2 einen Hund zu nah an V3 lässt?

Sanne
Meine V3 ist generell nicht so verträglich mit anderen Hunden... Sie reagiert häufig recht gestresst auf andere Hunde.
Besonders die zurückhaltenden, vorsichtigen Hündinnen fallen in ihr "Beuteschema". Auf die geht sie richtig los, zwar ohne Verletzungen aber trotzdem sehr fies. Ich passe natürlich auf, dass es gar nicht dazu kommt.
Zeigt sie erst, seit V2 hier eingezogen ist. Vorher hat sie es nur gemacht, wenn sie von einer anderen Hündin massiv bedrängt und angepöbelt wurde.
Gleichzeitig ist sie bei fremden Rüden sehr vorsichtig und lässt vieles mit sich machen. Sie ist jetzt fast 4 Jahre und wehrt sich kaum wenn ein Rüde sie bespringen will. Wenn er "nur" schlecken und schnuppern will, legt sie sich häufig auf den Rücken und lässt es über sich ergehen.
Ist dabei aber gestresst.
Fast alle Rüden wollen bei ihr mindestens schlecken oder auch bespringen, da sie wohl sehr attraktiv riecht für die Herrenwelt...
Mein Verdacht ist, dass sie viele Hundebegegnungen einfach stressen und sie deshalb dann so wilde "Spiele" mit dem V2 startet. Dabei bespringt sie ihn auch, beißt ihn in den Hals etc. Nicht sehr freundlich.
Macht sie auch in anderen Situationen, die für sie stressig sind. Z.B. wenn ich draußen zufällig meinem Freund begegne (er grad beim Einkaufen, ich mit den Hunden draußen) oder auch wenn ich mich in der Stadt mit Freunden oder Familie verabrede, reagiert sie sofort auf die Sichtung der jeweiligen Person, indem sie (auch an der Leine) Richtung V2 springt und aufreitet oder ihn am Nacken packt. Wird natürlich von mir unterbunden.
Ich denke das ist bei ihr einfach Stressbewältigung.

Barbara sagt, dass sie bei Hundebegegnungen einfach mit der Unstruktur durch unpassende Fremdhunde nicht umgehen kann, das äußert sich dann bei unsicheren Hündinnen, indem sie die andere anpöbelt, packt, umschmeißt, wirkt sehr aggressiv und ist auch für die andere Hündin ein echter Angriff.
Und bei Rüden oder Hündinnen wo sie sich das nicht traut, geht sie eben auf den V2. Das ist aber dann längst nicht so massiv und der V2 kann damit auch umgehen.
Deshalb versuche ich sie auch bei Begegnungen bei mir zu behalten und erstmal einzuschätzen, wie sie auf den Fremdhund reagieren wird.
Blöd ists halt wenn ich den anderen Hund zu spät sehe oder wie bei der Begegnung mit dem Labbi, wenn der Hund sich weit vom Besitzer entfernt und auch nicht abgerufen werden kann. Solche Hunde laufen dann ohne Rücksicht auf Verluste sehr aufdringlich zu uns.
Da muss ich sie rechtzeitig angeleint haben und den anderen massiv wegschicken. Sonst gibt es Chaos...

kage
Ich denke, dass was Du alles über die Handlungen Deines V2 schreibst sieht für mich eher danach aus, dass dieser V2 bereits Aufgaben des fehlenden VLHs übernommen hat und er hat die Schwierigkeiten, dass er aber keiner ist.
Für mich sieht das aus wie die Arbeit eines VLHs der seine Struktur sichert einfach durch hinstellen - nur er hat damit nicht immer den Erfolg den einfach ein VLH hat.

Dass der V3 dann bei Misserfolgen den V2 angeht, ist ein Zeichen, dass sie diese Sicherungsarbeit gut findet, aber gibt es keinen Erfolg, dann zeigt sie es deutlich.

Das Problem was ich nur sehe, wenn Hunde reparieren wollen, sie haben einfach nach außen nicht den Erfolg häufig der eben die fehlende Stellung hätte, einfach durch seine aufbauende Existenz. Jeder Hund der noch Wissen aus seiner Stellung aktiv besitzt, weiß ja, dass ist kein echter VLH der spielt nur die Rolle, lässt sich nicht beeindrucken. Bei ganz stellungsschwachen Hunden wird es klappen.

Beobachte mal die Stellungsqualität der Fremdhunde, ob Du da irgendwelche wieder erkennbare Identitäten feststellen kannst.

Sanne
Danke für deine Einschätzung!
Selbst ist das einfach so schwierig zuzuordnen, wenn man die typischen Verhaltensmuster der einzelnen Stellungen nicht so deutlich vor Augen hat, weil man es noch nie so recht gesehen hat.
Und wenn man nicht sicher ist, wo zeigt der Hund sein stellungstypisches Verhalten, wo geht er über seine Grenzen, dann kann man auch selbst gar nicht entsprechend reagieren.
Aber jetzt weiß ich ja Bescheid!
Dieses nach vorne beamen des V2 also auf jeden Fall unterbinden.
Nur was mache ich stattdessen mit ihm? Versuchen ihn bei mir zu halten, hinter mich nehmen und selber hinstellen, Fremdhund anschauen und hoffen dass ich den so weggeschickt bekomme?
Wär mir nur nicht so sicher, dass ich als VLH da souveräner und klarer bin als mein V2?

Dreamcatcher
Hi Sanne, ich weiß nicht, ob das eine Hilfe ist, aber ich versuche mal Rammars Kommunikation mit den V2´s zu beschreiben, mit denen er beim Workshop gearbeitet hat. Er hat sehr viel über leichtes "Aufbauen" gearbeitet und die Hunde angesehen.
Als V2 zu weit vorrannte, hat er ihn fixiert und ist im Trab hinter ihm her gelaufen.

Sanne
Es hilft mir auf jeden Fall sehr weiter - würde auch nur zu gern meine Hunde mal mit VLH und MBH erleben, einfach um zu sehen wie es da abläuft.