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Thema: Leinenbegegnungen mit V2
Quelle: Rudelstellungen.de
Datum: 05.02.12 - 22.02.12

Userin 17
Hat einen V2, der an eine 10 m Schleppleine geht, da er sonst einen zu großen Abstand zu ihr einnimmt. Manchmal hängt der V2 bellend in der Leine, dies wird aber weniger.


Der V2 akzeptiert immer mehr die Tatsache, dass die Halterin die Einschätzung und Abwehr von Hundekontakten vornimmt.

Misserfolg sah folgendermaßen aus:


Nach ruhigem Passieren eines Hundes sprach der Halter seinen Hund an, dieser blieb stehen, worauf V2 mit Bellen und Knurren reagierte.

Problem sind Begegnungen auf engem Raum wenn sich Hunde frontal begegnen, denen die Userin nicht immer ausweichen kann.

Antworten:

kage
Aber Dich zwischen die Hunde stellen kannst Du doch immer?

Userin fragt, ob es besser wäre, mit dem Hund stehen zu bleiben und nicht andere schnell zu passieren.

Sanne
Hi,
Habe ja auch einen V2 (allerdings erst 1 Jahr alt).
Mit ihm habe ich das Thema nur wenn meine V3 etwas meldet. Sie wird unruhig, stellt einen Kamm und er reagiert, geht nach vorne und bellt.
Alleine macht er das nicht, er würde nur gern mal "hallo" sagen...
Ich denke, es muss auf jeden Fall das Ziel sein, deinem V2 dieses Verhalten abzugewöhnen.
Ja, es ist der "Job" eines V2, im Zweifelsfalle nach vorne zu gehen und so das Rudel zu beschützen. Und ja, ein V2 braucht dafür nicht zwangsläufig eine Freigabe.

ABER trotzdem sollte ein Hund einfach nicht an der Leine pöbeln. Wenn du solche Situationen nicht umgehen kannst, muss er es lernen.
Also von mir ein klares Ja, du solltest daran arbeiten.
Ich an deiner Stelle würde mit der Frage anfangen: Warum bewertet dein Hund die Situation so? Er ist ja offenbar der Ansicht, nach vorne gehen zu müssen weil in seinen Augen die Situation es erfordert...
Bei meiner Hündin (allerdings V3) war das Leinenpöbeln größtenteils weg, als ich die Verantwortung dafür übernahm, dass sie an der Leinen keinen Kontakt mit fremden Hunden mehr hat. Denn das war offenbar die "Gefahr", die sie in der Situation sah, sie ist mit Hundebegegnungen unsicher und
fühlte sich dann einfach nicht wohl wenn sie nicht ausweichen konnte.
Ich bat dann eben die Besitzer, den Hund wegzunehmen oder warf ihm im Zweifelsfall meinen Schlüsselbund vor die Füße.
Denn ich hatte das gleiche Problem wie du, schickte ich den Hund körpersprachlich weg, machte sie mit.
Aber das hat bei meiner Hündin halt auch deshalb gut funktioniert, weil sie Begegnungen mit anderen Hunden an der Leine einfach nicht wollte.
Wenn dein Rüde ein anderes Problem hat, wird das nicht weiterhelfen.
Ich denke dass es auch aus Rudelstellungssicht nicht das Falscheste ist,
fremde Hunde hier nicht ranzulassen. Denn so wie ich es verstehe würde normalerweise der VVH einen fremden Hund bewerten und dann körpersprachlich und über seinen Blick wegschicken, wenn er nicht will dass der näher kommt.
Ich denke man könnte also auch versuchen, stehen zu bleiben, V2 hinter sich zu bringen (und durchzusetzen, dass er auch hinten bleibt!) und dann zu versuchen den anderen Hund über Blick wegzuschicken. Man muss allerdings aufpassen dass man den anderen Hund nicht provoziert...
Ist aber nur so ein Gedanke, habe das noch nie probiert. Bei meiner Hündin waren einfach durch dieses konsequente fremde-Hundenicht- ranlassen auch engere Begegnungen mit der Zeit möglich.
Allerdings mache ich es auch so, dass ich keine zu engen Begegnungen zulasse. Wenn nicht allzu viel Platz ist und wir einem angeleinten Hund begegnen, stelle ich mich auf die Seite und lasse meine beiden absitzen. Das dient auch der Kommunikation an den anderen Hundehalter, ich mache Platz,
will keinen Kontakt. Zur Not sage ich noch dazu, dass der Besitzer seinen Hund nicht rankommen lassen soll bei Leuten die das Signal sonst nicht verstehen

Ich denke mir auch, die Situation "zwei Hunde kommen sich angeleint auf einem sehr engen Weg frontal entgegen, keiner kann ausweichen, keiner kann den Rückzug antreten" ist ganz einfach keine natürliche Situation.
Hier kann ich über viel Druck oder über andere Erziehungsmaßnahmen meinen Hund so hinbiegen, dass er nicht agiert, aber es hat nichts mehr mit natürlichen Abläufen zu tun. Oder ich versuche so viel Platz wie möglich zu schaffen, so wird der Stress nicht zu groß. Und ich denke, in den Augen meiner Hunden bin ich kein souveräner Führer, wenn ich sie in eine Situation führe, die in ihren Augen bedrohlich ist.
Wenns sehr eng wird, arbeite ich mit dem Clicker. Dabei clickere ich das Anschauen des anderen Hundes und dann in der Folge die Umorientierung auf mich.
Ich bin eigentlich gar kein großer Freund vom Clickern, hab mich aber von meiner Hundetrainerin bequatschen lassen, es mal zu versuchen und es funktioniert wunderbar.
Alles in Allem denke ich aber, Hundebegegnungen an der Leine sind in dem Sinne keine natürliche Situation, so dass man auch nur zu einem gewissen Maß eine total natürliche Lösung dafür finden kann. Für mich persönlich kommt man hier an Grenzen und muss ganz normal über Erziehung arbeiten.

Userin 17
Beschreibt die Entwicklung ihres Hundes zu einem Problemverhalten hin.
Dem Junghund wurde im Freilauf erlaubt, überall hin zu gehen.
Als er aber begann zu Jagen und generell selbst zu entscheiden, kam er an die Leine und reagierte mit Bellen zum Frustabbau.
Ein Verbot dieses Verhaltens durch sie als Halterin fiel ihr schwer, da sie den Hund nicht gängeln wollte.
Einen Fortschritt sieht sie daher darin, nach Ursachen zu suchen und sieht diese auch darin, dem Hund die Verantwortung für seine Sicherheit bei Hundebegegnungen abzunehmen und sie aktiv selbst zu übernehmen.

Sie plant, in Begegnungen durch Stehen bleiben und sich aktiv vor den V2 zu stellen Ruhe hineinzubringen.
Dabei stellt sie sich die Frage, wohin sie selbst ihre Blicke in dieser Situation lenken soll, um den Fremdhund nicht zu provozieren und gleichzeitig dem eigenen Hund keine Freigabe zu geben.

Sie beschreibt ihr Vorgehen bei Begegnungen auf größeren Abstand.
Sobald ihr Hund verharrt, geht sie zu ihm runter,
sieht in dieselbe Richtung,
steht wieder auf und gibt eine Bewertung ab wie „Alles gut, weitergehn“.
Dies gelingt gut.

Sie beschreibt, dass Hundebegegnungen meist dann gut verlaufen, wenn der Hund nicht vor ihr selbst läuft.
Ihr Vorhaben ist, an der Leine durchgehend konsequent sich als VLH vor den Hund zu begeben.

kage
Dein Resümee ist richtig.
Der V2 wird wesentlich entspannter, wenn er durch einen VLH klar in seine
Disziplin gebracht wird. Ohne ihn mutiert er grundsätzlich zu einer Mischung aus V2 und VLH Verschnitt und dafür hat er einfach keine disziplinierten Abläufe in sich, deswegen auch dann immer dieses laute Rumböllern. Denn das VLH aufbauen klappt nicht, niemand nimmt ihm das ab und er selber weiß nicht wie das geht.

Userin17
Schreibt, dass sie selbst Probleme hat, als VLH zu gehen, sie würde lieber sich in der Position des MBH sehen. Weiter fragt sie sich, wenn sie nun als VLH handeln soll:
Was tut ein VLH?

kage
Nicht viel, er führt ihn und zeigt einerseits durch Bestätigungen, die hohen Fähigkeiten des V2s, aber das darf der V2 immer nur, wenn er ihn für eine Tätigkeit frei gibt.
Also Dein Vertrauen in die Fähigkeiten Deines V2 ist schon sehr gut. Jetzt musst Du ihm nur noch sagen, Du entscheidest wann er arbeiten gehen darf.
Darf er, dann belohnst Du seine hohen Fähigkeiten konfliktfrei zu kommunizieren.
Dazu gehört aber, dass Du mindestens Vorrang von Nachrang unterscheiden kannst und das auch Deinem V2 im Vorfeld klar machst.

„Bleib hier - ist Nachrang. Wir schauen uns die Tiere lediglich an.“
Warten mit dem Hund und bewerten - aber immer nach Deinen Vorgaben alles.

Hast Du einen Fehler begannen und die Freigabe hätte doch besser nicht stattfinden sollen, dann sage auch das Deinem Hund und entschuldige Dich.
Sieht er Deine Bemühungen um eine gute Gemeinschaftsarbeit dann dreht sich sein „Immer alles alleine da vorne machen“ um in ein "Warten auf Dich" und fragen, was meinst Du zu der Situation.

Probleme der Userin 17:

1. Die Schnelligkeit beim Einschätzen/Unterscheiden von Vorrang und Nachrang.
Der Hund ist so viel schneller als die Halterin.

Was macht man, wenn man eine Arbeit mit jemandem aufnehmen möchte, der einfach sehr schnell ist???? und man selber braucht einfach ein bisschen länger Zeit ????
Man arbeitet weiter dran, bis man es kann und meidet solange den Kontakt.


2. Woran erkennt man den V2, damit man seinen Hund nicht in eine Doppelbesatz-Situation bringt, in der es Ärger zwischen den Hunden geben kann?

V2-Erkennen:
Distanzlose Vorprescher vor dem Herrn : nach dem Motto hier kommt die Krönung der Schöpfung und wenn sie hören, dann stehen sie wie in den Startlöchern - hechel hechel, wann geht es los?


Die Halterin des V2 sieht ein Problem darin, dass sie sich selbst nicht als Vorrang einschätzt und ihr die Aufgaben des VLHs schwer fallen.

Sie beschreibt einige Begegnungen aus ausreichender Distanz, bei welchen der V2 an der Leine unterschiedliche Reaktionen zeigt. Meist bleibt der Hund dabei stehen, möchte entweder hinlaufen oder aber auch nicht mehr mit der Halterin weiterlaufen. Erst wenn sie ihn anspricht, geht er mit weiter.

kage
Beschreibe ruhig weiter Deine Begegnungen, dabei solltest Du nie vergessen, dass Dein Hund doch mit dir kommuniziert.
Du fragt nach und Dein Hund hat es Dir bereits gesagt.

Sanne
Zitat:
Distanzlose Vorprescher vor dem Herrn : nach dem Motto hier kommt die
Krönung der Schöpfung und wenn sie hören, dann stehen sie wie in den
Startlöchern - hechel hechel, wann geht es los.

Mein V2 ist auch ganz klar so ein Vorprescher
Allerdings bleibt er dann häufig in einigem Abstand stehen und ich habe das Gefühl er präsentiert sich. *g* Macht sich schön groß, steht selbstsicher, aber ganz ruhig da. Z.T. dreht er dann um und kommt zurück, ohne überhaupt Kontakt aufgenommen zu haben.
Als Junghund hatte er selten Interesse am Kontakt mit anderen Hunden. Aber seit er erwachsen wird macht er gern dieses "präsentieren".

Userin 18 beschreibt ihre sehr unterschiedlichen V2s.

Sie schickt andere Hunde konsequent weg, wenn ihr V2 an der Leine ist. Die Distanz von min. 3 m möchte der Hund nicht unterschritten haben, sonst würde er den Fremdhund aktiv vertrieben wollen (Leinenpöbeln).
Der Hund geht gern große Bögen bei Hundekontakt oder möchte umdrehen.
Sie schützt den Hund mit ihrem Körper, auch wenn er gerne selbst nach vorne gehen würde.

Ihren zweiten V2 möchte sie ebenfalls schützen, dieser kann sich aber aufgrund des Doppelbesatzes nicht auch hinter ihr einreihen.
Schwierig gestaltet sich der Aufbau des Schutzes mit 2 Hunden und das gleichzeitige Wegschicken der Fremdhunde, da die meisten Halter die Bemühungen nicht respektieren.

kage
Kann mir Dein Dilemma richtig vorstellen. Ist fast unmöglich zumal Du ja auch noch die Abstände Deiner Hunde beachten muss
Kannst Du den zweiten V2 eigentlich gut ohne Leine laufen lassen, wie ich das rausgelesen habe.
Was macht er, wenn Du ihn einfach machen lässt, also ohne jedes Kommando ihm alleine die Begegnung abarbeiten lässt.
Probiere es mal in einem Park wo er laufen kann. Du musst nur immer daran denken, Kommandos unterbrechen das natürliche Wissen. Ich hatte das Gefühl, das er nur diese Unsicherheiten zeigt, weil Deine Kommandos seinem Wissen entgegenstehen.

Userin 17 möchte wissen, wie Userin 18 dem Hund klargemacht hat, das Pöbeln an der Leine von ihr nicht erwünscht ist.

Userin 18: Mit einem überdeutlichen Leinenruck.
Hundekontakt ohne Leine sieht so aus, dass der Hund den Fremdhund nicht bewertet sondern sich erst einmal draufstürzt.
Zu Kages „Laufen lassen“ ohne Kommandos erwähnt sie, dass der Hund2 leider in Panik davon läuft wenn Fremdhunde auf ihn zulaufen. Er braucht dann eine freundliche körpersprachliche Einladung in ihren Schutz.

kage
Auf die Frage von Userin 17, ob sie sich bei Hundebegegnungen auf die Bewertung ihres Hundes verlassen soll, was er zu dem entgegenkommenden Hund sagt und dann als Halterin entscheiden soll, wie sie damit umgeht (hinlassen oder weitergehen)

Ja, genau das ist das richtige Verhalten.

kage
Denke es ist bei Userin17 der typische Fall eines in jungen Jahren agierenden V2s der da vorne
sich zum Herrscher aufgebaut hat und jetzt sich gegen den Rückzug auf seine Stellung (verursacht Leine automatisch)wehrt.
Vielleicht hilft hier eine längere Schleppleine, wo der Hund frühzeitig sich selber korrigieren kann. Einfach als Mensch sich auf die Leine stellen und schweigend warten, dabei den Hund fixieren, und schauen ob der Hund sich wieder alleine einbindet beim Menschen.
Muss man in Parks üben, wo man Platz hat.

Userin 18 rät Userin 17 unbedingt auch zur eigenen Ruhe und Gelassenheit, um dem Hund klare Signale zu geben, damit das Leinepöbeln sich nicht hochschaukelt durch gegenseitiges Stressen von Hund und Halter. Sie schlägt vor, den Hund bei Begegnungen absitzen zu lassen.

Userin17 soll unter geringer Ablenkung dem Hund beibringen, dass er sich an ihr zu orientieren hat und von ihm verlangen, dass er ruhig absitzen soll. Und ihn dann auch ruhig loben, sein richtiges Verhalten angemessen bestätigen mit Kraulen am Ort oder ähnlichem.

Der V2 von Userin 17 hat zu seinem Rassebedingten Temperament auch noch eine diagnostizierte Schilddrüsenunterfunktion. (Symptome Stressanfällig, Bellen bei geringen Reizen wie fliegende Blätter, Haarausfall, verlangsamter Puls, Hecheln, Durchfall.

Sie beschreibt den Umgang aber schon als wesentlich entspannter, dass der Hund aber bei zu viel Druck sich wehrt

Sie weißt noch darauf hin, dass der Hund schon zu pöbeln beginnt, wenn ein Fremdhund sich ihm von vorne nähert.

Sie erwähnt, den Rat mit der Schleppleine 1 zu1 umgesetzt zu haben bei einem Hund, von dem sie weiß, dass er Fremdkontakt meidet.
Sie stand ohne Reaktion auf der Leine. Der Hund saß eine Zeitlang da und beobachtete den Fremdhund, um sich dann umzudrehen und zur Halterin zu laufen.
Sie hat ihn abgestrichen und ging entspannt mit ihrem V2 in die entgegen gesetzte Richtung weiter. Ihr Hund hat sich nicht mal mehr umgesehen, obwohl der Fremdhund ihnen folgte.

Angelika
Erstmal herzlichen Glückwunsch!
Zitat von Sanne:
Mein V2 ist auch ganz klar so ein Vorprescher
Allerdings bleibt er dann häufig in einigem Abstand stehen und ich habe das
Gefühl er präsentiert sich. *g* Macht sich schön groß, steht selbstsicher, aber
ganz ruhig da. Z.T. dreht er dann um und kommt zurück, ohne überhaupt Kontakt
aufgenommen zu haben.
Als Junghund hatte er selten Interesse am Kontakt mit anderen Hunden. Aber seit
er erwachsen wird macht er gern dieses "präsentieren".

Kenne ich von meiner V3 auch so, nur werte ich es anders. Auch sie läuft auf andere Hunde zu und "präsentiert" sich oft in einigem Abstand, wenn ich aber genau hinschaue, dann wendet sie immer wieder deutlich den Blick ab, mit leichter, minimaler Kopfdrehung. Für mich ist das ein "sich unterhalten", wer bist Du, was willst Du. Auch gibt es dann eine Vielzahl anderer, wechselnder
Körpersignale, die ich oft auf Entfernung nicht richtig mitbekomme.
Es gab noch nie irgendeinen Ärger, offensichtlich ist sie ein Meister der gewaltfreien Kommunikation. Aber auch sie baut sich auf, zeigt sich, das alleine sagt wohl noch nicht viel über die Absicht aus.

Sanne
Zitat von Angelika:
Kenne ich von meiner V3 auch so, nur werte ich es anders.
Welche Wertung hast du denn aus meinem Beitrag herausgelesen?
Mit diesem "er präsentiert sich" meinte ich eigentlich eher eine Beschreibung dessen was ich sehe als eine Wertung, was es bedeutet...
Er ist übrigens auch souverän mit anderen Hunden (finde das besonders beeindruckend da er ja noch jung ist!), er ist immer präsent, ohne dass er jemals aggressiv rüberkommt und kann damit eigentlich fast alles lösen.