Der Verständigungsschlüssel zum Hund für Züchter, Trainer und Hundehalter

Wie sieht es aus, wenn man einen Hundebestand hat, in dem zwischen den vorhandenen Stellungen Positionen nicht besetzt sind?

Nach dem Durchlesen aller Informationen kommen viele Mehrhundehalter auf die Idee, dass man die fehlenden Stellungen einfach mit einem Hund passender Stellung auffüllen könnte.

Leider ist es nicht so einfach.

Man muss bei allem, was ich heute dokumentiere, immer davon ausgehen, dass mein ganzes Wissen und Leben aus der Reinform der vererbten Rudelstellungen bei Hunden von Karl Werner stammt.

Hunde in der Qualität, wie sie mir zum größten Teil vorgestellt werden, habe ich früher nicht beachtet. Das heißt, ich hatte es ausschließlich mit Hunden zu tun, die nicht nur ihre Stellung kannten, sondern auch alle daraus resultierenden Fähigkeiten im vollen Umfang besaßen.

Mit solchen Hunden war es kein Problem, entstandene Lücken im Rudel durch einen Hund derselben Stellung zu ersetzen. So konnte immer, wenn von meinen Hunden einer auf die erhöhte Seniorenstellung kam, wieder ein aktives Tier identischer Stellung im Rudel Einzug halten. Auffüllen war für mich also eine gute Lösungsmöglichkeit.

Nun musste ich aber bei über 500 Tieren, die mir zwischen September 2011 und Mai 2012 vorgestellt wurden, feststellen, dass viele Hunde in einem so desolaten Zustand sind, dass sie sich nur noch bruchstückhaft selbst aus ihrer eigenen Geburtsstellung heraus helfen können.

Diese Unfähigkeit ist bei Hunden unterschiedlich stark ausgeprägt, woraus die Notwendigkeit entstand, eine Möglichkeit zur Bemessung und Unterscheidung der Stellungsfähigkeit zu haben.

Wir unterteilen die Geburtsstellungsfähigkeit der Hunde heute in 4 Kategorien:

  • Stellungsperfekt
  • Stellungsstark
  • Stellungsfähig
  • Stellungsschwach

 

Stellungslos ist eine Zuchtanomalie, die ich ganz gezielt bei nur wenigen Rassen sehe. Das stellt für mich keine Kategorie dar und ist nur noch grausam für die Hunde.

 

Nachdem in den letzten Monaten einige der Altbestände mit passenden Hunden aufgefüllt wurden, gibt es inzwischen eine eigene Erfahrungsebene:

 

Auffüllung von fehlenden Stellungen

Das Auffüllen von Stellungen wäre ganz einfach, wenn die Hunde nicht durch die Menschen bereits so weit aus der Geburtsstellung herausgebracht worden wären. Durch diese unterschiedliche Stellungsfähigkeit ist es noch einmal so komplex, wie das Rudelstellungswissen an sich.

Alle Versuche von Hundehaltern, ihren Fehlbestand NLH mit N3 durch erwachsene Tiere aufzufüllen, sind für mich bisher unbefriedigend ausgefallen.

 

Warum?

  • Den meisten Menschen fehlt es an Wissen, wie sie sich natürlich in einer Hunde-Menschengemeinschaft zu verhalten haben. Das wäre aber notwendig,  um beim gegebenen Ist-Zustand der Tiere so unterstützen und helfen zu können, dass der Eingliederungsprozess positiv stattfinden kann.
  • Die Hunde gehen lediglich in unterschiedlicher Gradzahl wieder in Ihre Geburtsstellung zurück, bleiben also auf einem nicht-perfekten Zustand stehen.
  • Was gut klappt ist, stellungsstarke NLH mit N3 Welpen neu zu verknüpfen, wenn der NLH bei der Kontaktaufnahme die Bereitschaft dazu signalisiert.
  • Alle anderen Stellungen sind nicht so problematisch, hier muss nur auf die Gradzahl der Stellungsfähigkeit geachtet werden, es dürfen keine großen Unterschiede bestehen.  
  • Was auch gut klappt, wenn der erwachsene Altbestand unter stellungsfähig eingestuft wird, ist, Welpen mit der passenden Geburtsstellung zur Auffüllung zu nehmen. Auch das ist keine Garantie, aber erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es ein positiver Prozess für beide Seiten ist.

 

  • Komplett unmöglich ist es, stellungsstarke, erwachsene Tiere mit stellungsschwachen, erwachsenen Tieren zu vergesellschaften.
  • Ebenfalls unmöglich ist es, stellungsschwache, erwachsene Tiere mit Welpen zu vergesellschaften. Das stellungsschwache, erwachsene Tier wird verhindern, dass sich der Welpe stellungsstark entwickeln kann.
  • Grundsätzlich sollten stellungsschwache Tiere keine solchen Veränderungen mehr erfahren. In ihnen sind häufig so viele Bereiche verkümmert, dass es für niemanden mehr Sinn macht, hier etwas zu verändern.

 

Die praktischen Erfahrungen aus den bereits vollzogenen Auffüllungen der Fehlstellungen durch Hunde werden hier nach und nach in einer Unterkategorie erscheinen.