Der Verständigungsschlüssel zum Hund für Züchter, Trainer und Hundehalter

VLH Vorrang Leithund


Wenn man sich einen VLH-Welpen ansieht, der aus einem akzeptablen oder perfekten Wurf kommt (akzeptabel =

Vorrangteilrudel von VLH bis MBH oder sogar bis N2, dabei ist jede Stellung einmal vertreten) (perfekt = alle 7 Stellungen sind einmal vertreten) und die Separation erfolgreich abgeschlossen hat, dann sieht man einen Welpen, der sich relativ wenig bewegt und wenn, dann immer nur strategisch zu dem restlichen Wurf.

Man sieht nur ganz kurz mal eine kleine Sozial- bzw. Bestätigungsgeste beim Vorüberrobben bzw. –gehen (je nach Alter) mit dem MBH-Welpen. Ansonsten sieht man den V2 Welpen mit immer neuen kurzen Stimulationen, wie er seinen VLH-Welpen dazu bewegt, mit ihm sich abzugeben.

Was darf man sich beispielsweise unter diesen Stimulationen vorstellen?

Dabei dosiert der VLH ganz gezielt seine Aktivitäten mit dem V2. 2er Bindehunde sind aktive ziehende Hunde, die aus ihrer Veranlagung ohne ihre jeweiligen Eckhunde gerne immer in Bewegung sind (Arbeitstiere). Der VLH arbeitet ausschließlich am V2 Welpen daran, dass dieser seine Zugbewegung kontrolliert, über Ruhe und wenig Aktivitäten, immer nur in kleinen Portionen. Er hat in diesem Aussitzen, um V2 zur Ruhe und damit zum Mitdenken zu bekommen eine unendliche Geduld.

Wie sieht das ganze bei einer Spätvergesellschaftung aus?

In 95 % Prozent aller Spätvergesellschaftungen mit V2 sieht man den VLH in den ersten Tagen nur Beobachten und den V2 ab und zu mental ansteuern. Er lernt ihn erst einmal kennen und schätzt genau seine Schwächen ein.

Sind es zu viele, und der VLH erkennt keinerlei Ansätze von Stellungsfähigkeit bei dem V2, dann verabschiedet er den V2 sehr deutlich und für den Halter auch klar erkennbar.Aus diesem Grund reicht es nicht aus, diesem VLH einfach irgendeinen V2 zuzumuten.

Man muss erstens wissen, wie viel Stellungsfähigkeit der eigene VLH besitzt, und dementsprechend sieht man auch, ob es überhaupt Sinn macht, diesen VLH noch zu vergesellschaften. Bei einem durchkonditionierten älteren VLH, der sich innerlich bereits aufgegeben hat, ist eine Vergesellschaftung mit einem V2 meistens nicht mehr möglich. Der VLH ist einfach innerlich zu kaputt. Das kann man dann einem guten V2 auch nicht mehr zumuten, vor allem nicht einem jungen V2.

Sind die Vorrangleithunde noch innerlich einigermaßen intakt geblieben, dann nimmt man je nach Eigenverhalten des VLHs einen V2, der den VLH in seinen Fähigkeiten leicht übertrifft.

VLHs sind eigentlich faule Stellungen, die äußerst ungern in große stellungsmäßige Arbeitsabläufe verfallen wollen, um sich einen V2 noch richtig gut innerstrukturell aufzubauen. Sie wollen einen perfekt arbeitenden V2, ohne selber viel zu tun.

Aber wenn der VLH merkt, er hat in seinem Bestand keinen MBH, der ihm dabei hilft, dann fängt er von sich aus an nach einigen Wochen sich den V2 aufzubauen.

Was macht man als VLH Halter in dieser Zeit, damit die Bilanzabrechnung für den V2 nicht zu negativ ausfällt?

Wir schreiben ja immer, man ist Partner der Eckhunde, und aus dieser Partnerschaft führt man sie. Ausführlich erklärend und klar in der Durchsetzung der Menschenregelwelt unter bewertender Berücksichtigung der Lösungsvorgaben des VLHs.

Es macht keinen Sinn den V2 als Halter vor dem VLH zu korrigieren, wenn er diesen übergeht beim Spaziergang.

Das ist Sache des VLHs.

Hier hilft der Mensch, indem er dem V2 klar signalisiert durch abruptes Stehenbleiben: Ich wünsche nicht dass Du mich ignorierst und mich überholst. (Genau das ist nämlich das Überholen eines Hundes) Er stellt damit die Position des Menschen oder des jeweiligen passenden Hundes vor ihm in Frage. Niemals zeigt man gegenüber dem V2, dass der VLH hier eigentlich korrigieren müsste. Man selber setzt hier Schranken und man bleibt einfach so lange auf einem Punkt, den V2 fixierend, stehen, bis dieser sich selber korrigiert und sich hinter der Mensch VLH Partnerschaft wieder eingruppiert.

Es geht immer um die Selbstkorrektur des V2 dabei. Man macht ihn durch das Stehenbleiben passiv darauf aufmerksam, dass er sich in der Gemeinschaft falsch verhält.

Ist so etwas vom Menschen aus notwendig, dann nimmt man den VLH zu Hause separiert in einen Raum und bewertet

im Anschluss eines solchen Spazierganges das Notwendige und stimuliert damit den VLH von sich aus mehr mentalen Druck aufzubauen.

Meistens fehlt es den VLH an der Ausdauer, da sie sie immer unterdrücken mussten im Vorleben.


Was braucht man vor allem bei einer Spätvergesellschaftung VLH und V2?

Geduld und Ausdauer. Man erlebt am Anfang einen dauernden Wechsel von erst positiven, dann negativen Abläufen.
Das muss man Aushalten können und wichtig, immer den V2 in der Gleichbewertung seiner Stellung identisch oft wie den VLH ansprechen.

Niemals einen Hund bevorzugen. Jede Begegnung im Haus und unterwegs beachtet man mit einer kleinen Aufmerksamkeit.

Einfach mit dem Fuß leicht am Hund mit Druck vorbeistreifen. Die Hand streicht leicht seitlich an der Backe vorbei. Immer nur ganz kurz. Keine große Beachtung dabei.

Viel beide Hunde rechts und links von sich selber aus, auf dem Boden hinlegen lassen, indem man sich selber auf dem Fußboden hinsetzt. Der Mensch gibt beiden Stellungen über das Abstreifen der Backenpartie – rechte und linke Hand ist dabei gleichförmig im Einsatz, zu verstehen, dass die Gleichwertigkeit beider Stellungen anerkannt wird und man als Mensch fordert, dass beide Stellungen über die Sozialschiene hier viel arbeiten sollen.

Das ist nämlich der Knackpunkt bei beiden Stellungen, wenn sie nicht mit einem MBH und V3 groß geworden sind.

Sie verlieren, da sowieso nicht sehr ausgeprägt, ihre Sozialfähigkeit. Die kann man als Mensch aber sehr gut wieder aktivieren und auch einfordern.

Immer wenn man spürt, es kommt zwischen diesen beiden Stellungen zu Irritationen, weil Abläufe erst wieder innerlich aktiviert werden müssen, geht der Mensch zwischen beiden Stellungen und streift längere Zeit wieder beide gleichzeitig ab.

Wichtig dabei, nicht die Häufigkeit hier übertreiben, sondern immer nur ganz gezielt dies als Mensch machen, wenn man spürt beide Tiere kommen mal wieder an ihre Tagesgrenze, weil einfach aus ihrem Vorleben vieles verschüttet ist und erst langsam wieder regelrecht praktisch geübt werden muß.

Erkennt man, dass eine Stellung sich hier schneller wieder in seine Abläufe einfindet, dann motiviert man immer wieder den Schnellentwickler, Geduld und Ausdauer zu haben.

Aber auch hier, sich selber Zurückhalten ohne sich innerlich aus der Gemeinschaft Hunde-Mensch zu verabschieden ist das wichtigster Grundverhalten.

Was kann man alles am Anfang zwischen den Stellungen VLH und V2 erkennen?

Ein VLH erwachsener Hund zieht seinen V2 Junghund sehr körperlich und bestimmt nicht zimperlich genau dahin wo er ihn hinhaben will, wenn der nicht gleich mental das richtige macht. Der VLH achtet sehr darauf, dass der V2 immer erst mal ihn fragt bevor er zu den anderen Stellungen geht. Man sieht Aktivitäten unter den Hunden, und dann wieder hat man das Gefühl, der VLH kümmert sich um den V2 überhaupt nicht, der darf alles machen. Das stimmt so nicht. Der VLH ist ein strategischer Beobachter, der nie spontan reagiert, sondern sich alles erst einmal ansieht, bewertet und vor allem sich alles merkt - positives und negatives Verhalten des V2: Wie ein Buchhalter kommt - je nach persönlicher Charaktereigenschaft - die Abrechnung mit jeweiliger kompletter Aufarbeitung, mal eher oder auch erst nach Wochen oder Monate. Der VLH ist vor allem daran gelegen, dass sein V2 sich so gut es geht über seine Eigenkorrektur verändert und nicht über Erziehung. Er greift nur körperlich ein, wenn er merkt der V2 besitzt nicht mehr genügend Eigenkorrekturmechanismen.

Also nicht erschrecken, wenn man 2 Monate nicht viel sieht und dann plötzlich an einem Tag innerhalb einer Stunde, das große Aufarbeiten von Fehlverhalten beginnt.

Danach sieht man wieder Distanz zwischen beiden Stellungen und dann beginnt das ganze wieder von vorne.
Ist nun mal so, in der Natur und in der menschlichen Hundehaltung sollte man eben die Stellungen der Tiere nicht tangieren. Dann hat man dies auch nicht sich anzusehen.

Aber letztendlich mündet das ganze in eine innere Stabilität und Ausgeglichenheit aller beider Stellungen.
Ist dies erreicht, kann man beide Tiere in eine vergrößerte Gemeinschaft eingliedern, wenn man auch noch MBH und V3 besitzt.