Der Verständigungsschlüssel zum Hund für Züchter, Trainer und Hundehalter

Das Halten nach Rudelstellungen heißt, dass im Umgang vom Menschen mit dem Hund/ den Hunden und bei der Aufnahme eines zweiten, dritten... Hundes die Rudelstellungen der Hunde berücksichtigt werden.

Die miteinander lebenden Hunde passen von ihrer Rudelstellung zusammen. 

Bei zueinander passenden Hunden kann jeder Hund die Fähigkeiten, die er aufgrund seiner Rudelstellungen in sich trägt, ausleben, und gemeinsam ergänzen sich die Hunde optimal und natürlich.

Der mit den Hunden lebende Mensch gibt dabei dem Eckhund die Möglichkeit, seinen Bindehund zu führen und berücksichtigt bei Ansprachen, Erwartungsformulierungen und im gemeinsamen Alltag die Kommunikationsstrukturen passender Hunde (z.B., indem der Bindehund nicht direkt, sondern über den Eckhund angesprochen wird).

Der Mensch lebt mit seinem Eckhund in einer Partnerschaft zusammen. Dazu gehört beispielsweise, dass der Halter zwar seine Vorstellungen bezüglich des Verhaltens der zueinander passenden Hunde in bestimmten Alltagssituationen formuliert, dem Eckhund aber bei der Durchführung und individuellen Lösung so viele Freiheiten wie möglich lässt (z.B. menschliche Vorgabe: Spaziergänger werden von den Hunden nicht tangiert", mögliche hündische Umsetzung: Ausweichen; an den Rand stellen und beobachten; schnuppernd an den Rand begeben usw.).

Geprägt ist die Partnerschaft von gegenseitiger Rücksichtnahme und Respekt (z.B. Zeit lassen zum Lesen von Markierungen, gemeinsames Laufen, Bedürfnisse von Mensch und Hund werden berücksichtigt, Absprachen, keine Konditionierung oder Kommandos, die Gemeinschaft bleibt zusammen, usw.).

Mit Bewertungen, Feedback, Absprachen, dosiertem Heranführen an neuen Situationen und Aufgabenteilung abhängig der Zuständigkeiten steht der Mensch seinem Hund bei und vermittelt ihm die Eckdaten unserer Welt (z.B. nicht jagen, Spaziergänger nicht tangieren, auf den Wegen bleiben, usw.). So ist der Eckhund dann in der Lage, auch eigenständig für die Gemeinschaft passende Entscheidungen zu treffen. Um seiner Stellung gerecht zu werden, sollte er dabei entsprechende Freiräume bekommen (z.B. die Wahl des Spazierweges; Situationen in Ruhe aufnehmen, einschätzen und bewerten; dem Ausweichen von Reizen, Freilauf, usw.).

Hat der Eckhund die Erfahrung gemacht, dass der Mensch seine Rudelstellung und Bedürfnisse achtet, respektiert und seinen Umgang der Stellung anpasst, dann erweitert sich die Hund-Mensch-Kommunikation stetig und wird von gegenseitiger Kooperationsbereitschaft geprägt. Auf dieser engen Verbindung zwischen Mensch und Hund bauen sich Vertrauen, Verlässlichkeit und Freiheiten auf.

Der Bindehund hingegen wird vom Eckhund geführt. Für den Schutz und als Partner ist der passende Bindehund für seinen Eckhund unverzichtbar, er führt aus, was der Eckhund entschieden hat. Beide Hunde gehen zusammen eine feste Partnerschaft ein. Ist eine Stabilität nach Zusammenführung der passenden Hunde erreicht, was je nach Alter der Hunde wenige Monate bis ca. 2 Jahre dauern kann, können die Hunde sich blind vertrauen, was sie nach Außen sehr stark wirken lässt.

Obwohl der Bindehund vom Menschen meist nicht direkt angesprochen werden sollte, sondern die Kommunikation über den Eckhund läuft, ist der Bindehund absolut gleichwertig und nimmt viele wichtige Aufgaben im Rudel wahr. Dass der Bindehund durch den Eckhund geführt wird, bedeutet keinesfalls totale Unterwerfung oder Willenlosigkeit des Bindehundes. Der Bindehund hat seine eigene Persönlichkeit, Rechte und Ansprüche an seinen Eckhund und Menschen und wird diese auch, wenn sie ihm zustehen, erfolgreich durchsetzen.