Der Verständigungsschlüssel zum Hund für Züchter, Trainer und Hundehalter

Nein. Dass bei strukturierter (Mehr)Hundehaltung großen Wert darauf gelegt wird, dass die Hunde untereinander ungestört ihre Angelegenheiten regeln können und vom Menschen nicht regelnd eingegriffen oder gar Partei für einen Hund ergriffen wird, bedeutet nicht, dass der Mensch für die Gemeinschaft unwichtig ist.

In der Menschenwelt bietet er den Hunden Schutz und Information, ist tätig als Übersetzer von Regeln und Geschehnissen und als Bewerter von Menschenwelt-Situationen. Das macht ihn für die Hunde sogar zu einem unersetzlichen Teil der Gemeinschaft.

Meist ist es im Gegenteil so: Gerade Hunde, deren Rudelstellung im Umgang berücksichtigt wird und die in Struktur leben, entwickeln eine sehr starke Bindung zu ihrem Menschen.

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund entwickelt sich hier eben nur nicht über vom Menschen erdachtes und initiiertes Spiel, Reglementierung einer lebenswichtigen Ressource wie Futter, Ignoranz oder ständigen Körperkontakt oder sportliche Auslastung, sondern auf der Basis von gegenseitigem Respekt, Vertrauen und der Anerkennung der dem Hund eigenen Fähigkeiten und Wesenszügen und Respekt vor dem Wesen Hund, der nicht zum willenlosen Befehlsempfänger degradiert wird. Dem Hund wird Raum gegeben, eigene Lösungen zu finden.

Auch bei der Tatsache, dass der Mensch die persönliche Tabuzone seiner/ seines Hunde/s wahrt, geht es um Respekt. Der Mensch nähert sich nicht ungefragt und nur aufgrund seiner Emotionalität dem Hund, sondern reflektiert, ob seinem Hund körperliche Nähe angenehm ist und gut tut.

Vertrauen kann dadurch entstehen, dass Hundeverhalten ernst genommen wird und der Mensch sich ehrlich bemüht, Gründe für eventuell auffälliges Verhalten zu verstehen. Dadurch, dass es bei Rudelstellungen nicht nur um ein Abstellen der Symptome durch menschliches Management geht, fühlen Hunde sich verstanden und lernen, dass der Mensch ein verlässlicher, fairer Partner ist, der ihr Vertrauen verdient.

Umgekehrt zeigt die Erfahrung, dass aus dieser Form der Bindung zwischen Hund und Mensch und der Erfüllung des Strebens der Hunde nach Struktur eine erhöhte Kooperationsbereitschaft der Hunde gegenüber dem Menschen erwächst. So kann auch der Mensch ganz anders lernen, seinem Hund zutiefst zu vertrauen.