Der Verständigungsschlüssel zum Hund für Züchter, Trainer und Hundehalter

Stellungslaufen mit unerfahrenen, erwachsenen Hunden und Menschen – Ein Leitfaden

Mit der Verbreitung des Wissens um die Rudelstellungen und dem Erleben, was es für Hunde bedeutet, auf die

ihrer Stellung entsprechenden Hunde zu treffen, steigen das Bedürfnis und die Bereitschaft der Menschen, ihren Hunden Rudelstellungsläufe zu ermöglichen.

Die Hunde danken es!
Menschen erleben, wie die Hunde ihre Mitte finden, bei sich ankommen, sie selbst sein können und innere Ruhe und Ausgeglichenheit erlangen.

Hundeindividuen, von denen lange niemand gedacht hätte, dass sie überhaupt ruhig und gelassen einen Spaziergang erleben können, zeigen in Gegenwart der richtigen Artgenossen ihr wahres Wesen und uns, dass es diese Ruhe und Ausgeglichenheit ist, die sie zufrieden macht.

Oft berichten Hundebesitzer, deren Hunde in Einzelhaltung leben, dass diese sich durch die Stellungsläufe stabilisieren, mehr Nervenstärke im Alltag zeigen und weniger so genannte Auffälligkeiten zeigen.

Selbst Hunde, die (noch) in Fehlstellung leben, können gegebenenfalls profitieren, obwohl für sie die positiven Veränderungen nicht so nachhaltig wirken können.

Wenn Menschen schon Mühen, Wege und Kosten auf sich nehmen, um ihren Hunden einen solchen Stellungslauf zu ermöglichen, ist es sinnvoll, auch einige Umstände zu bedenken und Regeln zu beachten, um einen wirklich und optimal positiven Effekt für die Hunde zu erreichen.

Um das zu erleichtern, habe ich aus den hier im Forum zusammengetragenen Vorschlägen, "No-Gos", Erfahrungsberichten und meinen eigenen Erlebnissen diesen Leitfaden verfasst. Er soll helfen, sich gut auf einen Lauf vorzubereiten und Fehler während des Laufes zu vermeiden.

Der Leitfaden teilt sich in vier Abschnitte.

Im ersten Abschnitt geht es um die Vorbereitungsphase.

Hier werden nacheinander die Voraussetzungen besprochen, die der Treffpunkt und die mitlaufenden Menschen und Hunde mitbringen sollten.

Im zweiten Abschnitt werden die verschiedenen Phasen des Stellungslaufes beschrieben, beginnend mit dem Ankommen am Treffpunkt über Einarbeitung und den eigentlichen Stellungslauf und endend mit der Nachbesprechung.

Der dritte Abschnitt ist Besonderheiten gewidmet, wie dem Filmen und dem richtigen Umgang mit Problemen.

Der Leitfaden endet mit einer zusammenfassenden Checkliste.

Abschnitt 1: Vorbereitungsphase

A. Ort und Zeit
Die beste Variante ist sicherlich, in Wohnortnähe die passenden Hunde/Stellungen zu finden. So kann man sich und vor allem den Hunden genug Zeit lassen und durch regelmäßiges Laufen (2-3 x pro Woche) können sie sich sicherer stabilisieren.

Die Voraussetzungen sind entspannter, da wir Menschen ja dazu neigen, bei sehr hohem organisatorischem Aufwand, einen hohen Erfolgsdruck zu verspüren, was das ganze Unternehmen womöglich eher behindern könnte, weil mehr "Fehler" eingebaut werden.

Wählt die Umgebung so, dass ihr möglichst nicht in die Situation kommt, einzelne Hunde rufen oder gar maßregeln zu wollen/müssen.

Planung der Dauer des Laufs
Grundsätzlich ist es gut, wenn die Hunde viel Zeit bekommen, damit das Ganze sich stabilisieren kann. Wenn es gut läuft, ist also ein mehrstündiger Lauf durchaus angemessen, was bei der Planung berücksichtigt werden sollte.

B. Voraussetzungen beim Menschen

Absprachen: Das A und O

Die beteiligten Menschen müssen sich unbedingt gut absprechen, und zwar vor dem Treffen, vor der Einarbeitung, vor der Zusammenführung und beim Laufen, hier allerdings so kurz und knapp wie möglich. Es sollen keine Geschichten erzählt werden während des Stellungslaufes.

Innere Haltung

Egal wie groß der Aufwand ist, wir sollten stets bemüht sein, in der Situation zu bleiben, um nötigenfalls jederzeit die richtigen Entscheidungen für die Hunde treffen zu können. Das kann im Zweifelsfall auch ein

Abbruch des Laufes sein. Damit hieraus kein unnötiger Ärger entsteht ist es wichtig, sich diese Möglichkeit vorher bewusst zu machen, besonders, wenn die Hunde (und Menschen) sich noch nicht kennen.

Jeder Mensch sollte sich inhaltlich vorbereitet haben und sich niemals ausschließlich darauf verlassen, dass die anderen "ja mehr Erfahrung haben", "schon öfter gelaufen sind" oder, oder, oder...

Wissen/Kenntnisse/Erfahrungen

Ich setze voraus, dass sich jeder Teilnehmer zumindest in Grundzügen mit Körpersprache und Ausdrucksverhalten

von Hunden auseinander gesetzt hat, ebenso wie mit den Rudelstellungen.

Wer allerdings für sich selbst nicht ertragen kann, wenn ein Hund entsprechend seiner Natur kommuniziert und mittels so genannter "aggressiver Kommunikation" z.B. mal einen Zahn zeigt, sollte sich über folgenden Punkt Gedanken machen: Ein solcher Mensch ist im Zweifelsfall dazu geneigt, den Lauf an einer für die Hunde sehr ungünstigen Stelle abzubrechen. Das ist nicht hilfreich und kann für das Ziel, die Situation und die Hunde schädlich ist.

Wenig hilfreich ist allerdings auch eine "Die machen das schon“–Ein­stel­lung, wenn man gar nicht beurteilen kann, ob die Hunde die Situation aus sich heraus gut gelöst bekommen.

Fitness

Man sollte als Mensch körperlich und geistig fit genug sein, um grundsätzlich einen mehrstündigen Lauf absolvieren zu können.

Moderation

Sicher wäre es gut, wenn die teilnehmenden Menschen eine Person dabei haben, der alle vertrauen und der man so ein wenig die Zügel in die Hand geben kann: Jemand, der einigermaßen sicher darin ist, Hundeverhalten zu beobachten und zu beurteilen und der gegebenenfalls den Menschen eine "Ansage" machen darf, bezüglich ihres Verhaltens (in Bewegung bleiben, unbewusst mit dem eigenen Hund verbal oder körpersprachlich zu kommunizieren etc.). Das bedeutet nicht, dass der Einzelne seine Verantwortung abgeben soll (Selbstbeherrschung üben sollte man eh vorher), aber es ist gut, wenn vor Beginn des Laufes eine Person, die man für einigermaßen sachverständig hält, legitimiert wird, entsprechend zu „moderieren“, sofern sich das nicht von selber ergibt, weil man z.B. mit Barbara läuft.

Ortskenntnis
Ich würde es immer begrüßen, wenn wenigstens ein Mensch ortskundig ist. Das trägt zur allgemeinen Sicherheit bei und jeder kann auf die Umgebung, in der er läuft, ein wenig vorbereitet werden.


C. Voraussetzungen der Hunde

Gesundheitliche Voraussetzungen

Die Hunde sollten grundsätzlich körperlich und geistig in der Lage sein, mehrere Stunden zu laufen.

Passende Stellungsstärken
Die Stellungsstärken der Hunde müssen zueinander passen!

D.h. einen stellungsstarken Hund mit lauter stellungsschwachen laufen zu lassen, wird in der Regel zu keinem guten Ergebnis führen. Entweder fällt die Bewertung durch den stellungsstarken Hund so unterirdisch aus, dass er die Arbeit schon gar nicht erst aufnimmt, oder sie im Laufe der Zeit gelangweilt oder frustriert abbricht.

Das wäre einer der Gründe, einen Lauf zu beenden, weil das Ganze dann auseinander fällt. Die anderen Hunde fangen dann an zu reparieren, was nicht Sinn der Sache ist, oder sie fallen in gewohnte Verhaltensmuster, die wir hier nicht gebrauchen können, wie z.B. Stressrennen.

Ist es anders herum, und es sind bis auf einen alle Hunde stellungsstark, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Druck dem stellungsschwachen Hund viel zu groß ist. Er entzieht sich und kann sich überhaupt nicht aufs Arbeiten einlassen. Es ist dabei egal, ob er weg läuft und raus geht oder nur passiv, sich "unsichtbar machend" seine Position einnimmt. Beides wäre nicht gut für ihn. Läuft er raus, wird er von stellungsstarken Hunden noch mehr Druck bekommen, oder sie geben ihn auf und müssten dann aber auch anfangen zu reparieren, was wiederum nicht Sinn der Sache ist.

Auch Vor -und Nachrang sollten in der Stellungsstärke zu einander passen, sonst geht euch vielleicht eine Hälfte einfach verloren, weil der MBH sich entscheidet, dass es sich nur mit einer der Teilgruppen lohnt zu arbeiten.

Jeder Hund sollte sich mit Hunden passender Stellungsstärke wieder finden dürfen.

Stellungsfähige Hunde sind grundsätzlich integrierbar.
Ich würde das immer danach entscheiden, wie viel (mentalen) Druck ein Hund aushalten kann, bzw. wie viel er braucht, um sich in eine Gruppe integrieren zu können.

Habe ich einen sehr zurückhaltenden, schüchternen, in Hundebegegnungen sehr vorsichtigen stellungsfähigen Hund, der vielleicht aufgrund seiner Vorgeschichte seine Stellung eher versteckt bzw. zurück geschraubt hat, sollte er zunächst eher mit stellungsschwachen Hunden laufen. Auch hier ist Vorsicht geboten, da sich die Situation sehr schnell verändern kann und der Hund vielleicht beim nächsten Mal schon etwas mehr Stellungsstärke braucht, um ihn weiter zu fördern.

Habe ich dagegen einen nach vorne, womöglich in Eckhundposition, gebeamten, stellungsfähigen Bindehund, der dazu neigt den ungebremsten Alleskönner zu mimen, lasse ich ihn optimaler Weise mit stellungsstarken, souveränen Hunden laufen, die klar in der Lage sind, Grenzen aufzuzeigen und ihm damit helfen, in seine natürliche Balance zurück zu finden. Oft sind hierfür gar keine großen Aktionen notwendig, sondern die bloße Anwesenheit stellungsstarker Eckhunde schickt ihn in seine natürliche Grenze zurück.

Wenn diese Bindehunde den ersten Schrecken von soviel Ausstrahlung verarbeitet haben, wird man sie aufatmen und zu innerer Ruhe finden sehen.

Stellungsfähige Eckhunde würde ich mit stellungsstarken und unbedingt sozialen und keineswegs nach vorne gebeamten Bindehunden zusammen führen um sie darin zu bestärken, dass ihre Kompetenzen wertvoll sind und geachtet werden.

Sicher sind das jetzt nur einige Beispiele, da es unmöglich ist, alle Eventualitäten aufzuführen. Sie sollen lediglich zeigen, dass man niemals die vorhandenen Fähigkeiten des Individuums außer Acht lassen darf, weil sonst das Unternehmen Stellungslauf trotz an sich passender Stellungen nach hinten losgehen könnte.

Wir müssen immer bedenken, dass zumindest die meisten unserer heutigen Hunde nicht in Stellung oder sogar in Fehlstellung oder im Doppelbesatz gelebt haben oder noch leben und erst wieder in ihre Geburtsstellung zurück finden müssen. Das erfordert einige Sachkenntnis und viel Feingefühl und Umsicht.

Je besser die Stellungsstärken übereinstimmen, desto besser können sich die Hunde einarbeiten.
Besondere Umstände erfordern manchmal besondere Maßnahmen, hier sollte man sich jedoch gut überlegen, ob man diese ohne erfahrene Hilfe einleiten möchte.

Größe/Rasse der Hunde
Die Größe der Hunde sollte Beachtung finden, weil es für kleine Hunde sehr unangenehm sein kann, von einem viel Größeren eine körperliche Maßregelung zu erfahren. Sehr kleine Hunde können sich im Zweifelsfall nicht den nötigen Respekt den Grossen gegenüber verschaffen, sofern eine körperliche Maßregelung nötig werden sollte.

Auch gebe ich zu bedenken, dass möglicherweise sehr kleine, flitzige Hunde bei den Großen einen Beutereflex auslösen könnten, was ohne jegliche Artgenossen-Aggression auch zum Tod führen kann.

Grundsätzlich denke ich, dass es in einer gewachsenen, stellungsstarken Lebensgemeinschaft diese Probleme nicht geben muss, aber auch hier wieder: All unsere Hunde müssen erst wieder zurück finden. Also bitte nicht den Chihuahua mit dem Boxer und nicht den Dackel mit der deutschen Dogge laufen lassen, solange man sich nicht sicher ist, dass beide sozial genug sind und Korrekturen dementsprechend angemessen ausführen.

Bei weniger extremen Größenunterschieden bzw. Gewichtsklassen muss man wieder abwägen bzw. die Individuen gut einschätzen können und sicher spielen hier auch rassespezifische Eigenarten in so fern eine Rolle, dass einige Rassen sich insgesamt körperbetonter zu verhalten scheinen als andere. Das hat jedoch keinen Einfluss auf das Verhalten aus der Stellung heraus, sondern lediglich auf die Art der Ausführung.

Die Komponenten Sozialfähigkeit, sowie die Art des Durchsetzungsvermögens entwickeln sich bei den Hunden aus den Erfahrungen der Struktur im Gleichgewicht. Sollte es aber z.B. so gewesen sein, dass man unwissentlich einen Eckhund geführt hat, der ebenso unwissentlich in seiner Stellung bleiben konnte, jedoch um sich herum mit permanenter Unstruktur leben musste, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit genau diese Bereiche zumindest zum Teil verkümmert sein. Ich kann nur ahnen, dass dies für bestimmte Bindehundstellungen ebenso zutreffen könnte.

Denkbar wäre ein großer Jack Russel mit einem kleinen Australian Shepherd, aber ein Australian Shepherd mit einem Windspiel? Vorstellbar ist ein Border Collie mit einem Deutschen Schäferhund, aber ein Sheltie mit einer Bordeaux Dogge? Ausnahmen bestätigen hier sicher wieder die Regel, so hat meine BC-Hündin die Größe der Irischen Wolfshunde in keiner Weise beeindruckt. Sie ist allerdings eine dieser vorgebeamten, alles managen wollenden V2s, bei der ich beim Sheltie schon ins überlegen komme. In diesen Fällen sollte man lieber wieder überlegen, ob man diese Zusammenführung ohne erfahrenen Menschen durchführen muss und möchte. Insgesamt sollte bei einem Stellungslauf die Gruppe bzgl. der Größe einigermaßen homogen sein.

Erfahrung der Hunde
Die Erfahrung der Hunde spielt hier auch noch eine Rolle. Bedenkt immer, dass ein unerfahrener Bindehund vielleicht super gut mit seinem Eckhund laufen und perfekte Abläufe zeigen kann, der Lauf mit der ganzen Gruppe jedoch schnell zur kompletten Überforderung werden könnte, wenn nicht alle Hunde gut arbeiten. Auch das könnte ein Grund sein, einen Lauf zu beenden. Womöglich braucht der unerfahrene Eckhund aber das Feedback eines gesamten Teilrudels um in seine Stellung zu finden.

Hausbestand an Hunden: "NO-GOs"
Fehlstellung

Hunde, die zuhause in Fehlstellung leben, sollten zumindest am Anfang niemals zusammen in derselben Gruppe Stellungslaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie so aufeinander fixiert sind, dass sie sich der Arbeit mit der und für die Gruppe entziehen, ist sehr groß. Sehr ungünstig ist, dass sie in der Regel schon bei der geringsten Unsicherheit in ihre aus der Unstrukturiertheit resultierenden Verhaltensmuster fallen und somit nicht nur nicht arbeiten, sondern geradezu die positiven Abläufe der Gruppe zerschlagen.

Denkbar wäre z.B. wenn sie zunächst über einen längeren Zeitraum einzeln mit ihren jeweiligen Eckhunden arbeiten und erst, wenn aus ihnen eingespielte Teams geworden sind, mal zu probieren, ob sie trotz Anwesenheit des Anderen aus ihrer Stellung heraus arbeiten. Aber die Gefahr bleibt, dass sie ihre alten Verhaltensmuster abspulen.

Doppelbesatz

Doppelbesatz im Hausbestand darf nur dann an Stellungsläufen teilnehmen, wenn die Tiere zu Hause weitestgehend getrennt sind. Sofern die Tiere sich irgendwie mit dem Doppelbesatz arrangiert haben, was bedeutet, dass mindestens einer oder gar beide innerlich aufgegeben haben und ihre Stellung nicht mehr leben, um Auseinandersetzungen zu vermeiden, würden Stellungsläufe diese Tiere wieder in ihre Stellung bringen. Das hätte zur Folge, dass sie wieder in Konkurrenz zu einander gehen. Damit wäre selbst dieser äußere Frieden/Waffenstillstand massiv gefährdet. Mit Eckhunden im Doppelbesatz könnte das sogar wirklich gefährlich werden.

Niemals Bindehunde ohne die passenden Eckhunde laufen lassen

Niemals sollten Bindehunde ohne die passenden Eckhunde Stellungslaufen. Das Rudel sollte immer vorne und hinten durch die Eckhunde abgeschlossen werden.

Der V2 besitzt nicht die Kompetenz, nach vorne alles alleine richtig zu bewerten können und wird so überdimensional zu Fehlentscheidungen und/oder Überreaktionen neigen.

Der N3 wird sich hinten so alleine fühlen, dass er womöglich permanent versucht, einen der anderen Eckhunde abzuwerben, was nur Unruhe bringt, oder er orientiert sich ausschließlich an seinem Menschen, anstatt mit der Gruppe zu arbeiten.

Der beim vordern Teilrudel hinten allein gelassene V3 wird vermutlich undiszipliniert alles stören und durcheinander bringen, und der vorne in leitender Funktion nicht vom MBH gebremste N2 wird womöglich ebenso undisziplinierte Entscheidungen treffen. Führen kann er ja, aber wenn ihm keiner eine Freigabe erteilt, wird er alleine entscheiden, und da z.B. das Anführen des N3 bei der Jagd zu seinen Aufgaben gehört, könnte ihm das bei Überforderung womöglich als erstes einfallen.

Anders ist es, wenn man nur mit einem Eckhund und seinem/n passendem/n Bindehund/en (siehe Kleingruppen) läuft, wie in der Einarbeitung, das geht.

Abschnitt 2: Phasen der Stellungslaufs

A. Am Treffpunkt angekommen

Man hat also einen Ort und eine Zeit ausgemacht, und trifft dort auf dem Parkplatz ein.
Die Hunde haben eine möglicherweise lange Fahrt hinter sich und jeder Hundehalter hat erstmal das Bedürfnis, seinen Hund aus dem Auto zu lassen, zum Luft schnappen, sich lösen und in der neuen Umgebung anzukommen.

Vorsicht, hier müssen unbedingt schon die ersten Absprachen getroffen werden, bzw. es sollte sehr umsichtig gehandelt werden. Treffen hier unüberlegt bereits z.B. die falschen Stellungen aufeinander, könnt ihr womöglich gleich wieder nach Hause fahren.

Wichtig ist, dass sich zunächst die Menschen miteinander absprechen. Wer ist wer und wer macht wann was mit wem?

Wenn man losläuft, ohne wirklich einen gemeinsamen Plan im Kopf zu haben, führt das zur Verunsicherung der Menschen, was sich auf die Hunde überträgt und negativ auswirkt.


B. Die Einarbeitung/Das Einlaufen
Zunächst müssen sich die einzelnen Gruppen miteinander einlaufen/einarbeiten.

VLH mit V2
V3 mit MBH und N2
N3 mit NLH

Jede Gruppe läuft für sich erst einmal ca. eine halbe Stunde. Dabei bitte darauf achten, dass die Gruppen sich noch nicht unterwegs treffen, bzw. wenn ihr auf Sichtweite lauft, der Abstand so groß ist, dass es die Hunde nicht beeinträchtigt. Könnt ihr euch ohne Hilfsmittel untereinander verständigen, ist der Abstand zu gering.

Sollte es hier noch nicht zu ganz klar erkennbaren Arbeitsabläufen in allen drei Gruppen kommen, werden noch nicht alle Gruppen zusammen geführt. Wer noch wenig Erfahrung hat, wird hier vielleicht zweifeln, ob er die Arbeitsabläufe erkennt. Erstens wäre es natürlich gut, wenn in jeder Gruppe ein Mensch mitläuft, der bereits etwas sicherer ist im Sehen und Beurteilen. Zweitens, wenn die Hunde wirklich sehr klare Abläufe zeigen, DANN erkennt ihr das. Wenn ihr also gar nichts seht, geht lieber davon aus, dass die Hunde die Arbeit nicht aufgenommen haben.

Eventuell Bildung von Teilrudeln

Wenn ihr z.B. erkennt, dass nur ein Hund in einer Gruppe noch Schwierigkeiten hat, seinen Job zu machen, bzw. seine Position einzunehmen, empfiehlt es sich, dem jeweiligen Hund die Unterstützung des gesamten Teilrudels zu geben.

Lasst also dann noch einmal VLH/V2/V3/MBH und MBH/N2/N3/NLH zusammen laufen.

Haben jetzt alle Hunde die Arbeit aufgenommen, teilt ihr wieder in die drei Kleingruppen und nun könnt ihr die gesamte Gruppe zusammen führen.

Wenn nicht, lauft besser weiter in den Teilrudeln. Ggf. ist auch ein Abbruch des Laufes nötig. Behaltet das als Möglichkeit stets im Auge.

C. Zusammenführung/eigentlicher Rudelstellungslauf
Die Menschen neben VLH und V2 beginnen den Lauf mit einer langsamen Geschwindigkeit.
V3-MBH-N2 Gruppe startet in 50 m Entfernung zeitversetzt hinter dieser Gruppe 1 und die Menschen geben einen schnelleren Laufschritt vor.

In dem Moment, wo V2 stehen bleibt oder V3 vorzieht, geht Gruppe 2 unverändert in erhöhter Schrittgeschwindigkeit weiter um aufschließen zu können.

Die Stellungen V2 und V3 sollten nur kurze Zeit der Kontaktaufnahme bekommen. Die Weiterbewegung der Menschen verhindert hier ein zu langes Ausdehnen.

In dem Moment wo die Menschengruppe 2 auf die Menschengruppe 1 trifft verringert Gruppe 2 die Schrittgeschwindigkeit und passt sich der Gruppe 1 an. Daraufhin starten N3 und NLH - alles soll identisch ablaufen, wie zuvor bei den Gruppen 1 und 2. Wenn alle zusammen sind, kann Menschengruppe 1 das Tempo auf "normal" erhöhen und alle gehen in einheitlicher Geschwindigkeit weiter.

!!! Immer weiter laufen!!!

Ist eine Gruppe am falschen Ort, überlegt stets, die Situation durch das Laufen großer Bögen zu korrigieren und schließt von hinten auf. Auch dürfen die vorderen Gruppen den Aufschließenden nicht weg laufen.

Aber!!! Immer in Bewegung bleiben!!!

Verhalten der Menschen
Grundsätzlich laufen die Menschen hintereinander in der Reihenfolge ihrer Hunde parallel zu den Hunden, gerade so, wie wir es von den Workshops kennen.

Es sollen möglichst nicht zu viele Menschen mitlaufen. Mehrere Personen pro Hund wären nicht so günstig, weil das viel Unstruktur für die Hunde ist und Unruhe hereinbringt.

Am günstigsten wäre es, wenn pro Kleingruppe, also jeweils Eckhund mit seinem/n Bindehund/en, ein Mensch mit läuft.

Für einige Hunde ist es übrigens mehr als Gold wert, wenn ihre Halter nicht mitlaufen. Die Loyalitätskonflikte, die z.B. eine Dreierstellung entwickeln könnte, fallen dann einfach weg. Außerdem erübrigen sich "Fragen" nach Leckerli und ähnliche anerzogene bzw. ritualisierte Verhaltensweisen, die die Arbeitsabläufe unter den Hunden erheblich behindern können.

Sind die Hunde am Arbeiten und läuft alles gut, bleiben die Menschen auf ihrem Weg einfach in der Reihenfolge.

Das Lauftempo
Die Geschwindigkeit der Menschen richtet sich grundsätzlich nach dem Tempo des jeweiligen Eckhundes. Im kompletten Rudel richtet sich der dazugehörige Mensch also nach dem Tempo des VLH. Wird er langsamer, wird der Mensch langsamer, zieht er an, zieht der Mensch an und bleibt er stehen, insbesondere weil es einen Außenreiz zu bewerten gibt, bleibt der Mensch ebenfalls stehen. Die folgenden Menschen passen ihr Tempo einfach an.

Bei Teilrudeln und ebenfalls bei den passenden Kleingruppen, läuft es Identisch mit dem jeweiligen Eckhund ab.
Hierbei sollte man besonders darauf achten, dass hinten kein Stress beim Menschen vorhanden ist. Das würde Druck von hinten aufbauen und den Stress wiederum auf die Gruppe übertragen.

Das Grundtempo sollte tendenziell langsam, ruhig und gleichmäßig sein.

Stehen bleiben

Machen die Hunde mal einen kleinen Abstecher, z.B. zum Wasser oder wohin auch immer, und man bleibt stehen, umsie einfach dabei zu beobachten, bleibt man schön in Reih und Glied stehen um auch weiterhin den Hunden Struktur zu gewährleisten. Entweder man passt nun den Moment ab, in dem die Hunde sich wieder in Bewegung setzen oder man zieht selbst irgendwann einfach wieder an, wenn man seinen Weg fortsetzen möchte. So verfährt man auch, wenn die Hunde vielleicht einen "falschen" Weg einschlagen, dann ziehen die Menschen in die Richtung an, in die sie gehen wollen. Die Hunde werden sich daran orientieren.

Spätestens, wenn es ein Durcheinander gibt oder Konfliktsituationen unter den Hunden auftauchen, MÜSSEN die Menschen sich wieder zügig in Bewegung setzen.

Kommunikation Mensch - Hund
Der Mensch der zum VLH gehört, ist der einzige, der den Hund "ansprechen" darf.
Das ist hier anders, als würden die sieben Hunde eine Lebensgemeinschaft bilden, dann spricht sich der Mensch ausschließlich mit dem MBH ab. Hier, wo die Hunde sich nicht wirklich kennen, würde dies jedoch den Arbeitsprozess einfach zu sehr stören.

Soweit wie irgend möglich sollte die Ansprache hier mental geschehen und auch das mit der Zurückhaltung, die nötig ist, um den Arbeitsprozess nicht zu stören oder gar zu unterbrechen. Im Zweifelsfall hält sich der Mensch erst einmal total zurück. Nicht alles, was der Hund als Ansatz zur Lösung versucht, ist für den Menschen gleich verständlich. Das Aushalten und das Vertrauen zum eigenen Hund sollte hier ein zentraler innerer Zustand des Menschen sein.

Bei Teilrudelläufen sollte der Mensch, der zum MBH gehört, unbedingt mental anwesend sein. Das bedeutet nicht, dem Hund rein zu reden/denken, aber jederzeit präsent und in der Situation zu sein, um sich absprechen zu können. Die anderen Hundehalter sollten sich mental und - erst recht - verbal total zurück nehmen, jedoch mit der Aufmerksamkeit durchaus bei ihren Hunden bleiben.

Hunde, die keine Routine im Stellungslaufen, aber eine gute Bindung zum Halter haben, werden sich möglicher Weise rückversichern, ob das, was sie tun gut und richtig ist.

Hier ist es nun die große Kunst, präsent zu sein, zu bestärken was gut ist, entweder mental oder durch beiläufiges Abstreichen, wenn es in die Situation passt, ohne bei der Arbeit zu stören.

Achtung: Sehen was ist, ja! Fixieren, nein! Bei einigen Hunden ist das ein sehr schmaler Grat.

Manche brauchen sich nur beobachtet zu fühlen und unterbrechen sofort ihre Handlung. Das kann im Alltag praktisch sein, hier wäre es Gift.

D. Nachbesprechung
Sinnvoll ist es, sich am Ende nochmals zu einem Resümee zusammen zu finden. Hier kann zusammen getragen werden, wer was wie gesehen und wahrgenommen hat und festhalten werden, was gut war und was beim nächsten Mal besser gemacht werden könnte. So bildet man eine wichtige Basis für den nächsten Stellungslauf.

Abschnitt 3: Probleme und Sonstiges
WICHTIG:

Drohende körperliche Auseinandersetzung zwischen Hunden.

Wenn es zwischen den Hunden Situationen gibt, die auf eine körperliche Auseinandersetzung hinweisen, bleiben alle Menschen auf jeden Fall in Bewegung. Weiterlaufen!!!

In einer solchen Situation stehen zu bleiben und den Hunden dabei zuzusehen, wie die Spannung ins Unermessliche steigt, führt oft dazu, dass die Hunde ihren Stress nicht abbauen können. Sie wollen in der Regel ihr Gesicht wahren und aus der Situation herauskommen, ohne in eine körperliche Auseinandersetzung zu geraten. Unsichere Hunde verlieren schon mal die Nerven, wenn ihnen nichts anderes mehr einfällt. Bewegung mit Ausnahme von Stressrennen - baut Stress ab. Das gilt nicht nur für Hunde

Was wenn....?
Was sollen Menschen tun, wenn sie eine Interaktion zwischen zwei oder mehreren Hunden als deutlich "nicht aus der Stellung heraus" identifizieren?

Im Zweifelsfall bringen die Menschen ihre Körper zwischen die Hunde, mit dem Rücken zum eigenen Hund. Sie sollten sich aufbauen und groß machen, sich aber mental so wenig wie möglich einmischen, nur so viel, wie nötig ist.

Ein Beispiel, das ich erlebt habe: Ein N2 scheucht einen V2 durch die Gegend. In diesem Fall hätte der Lauf bereits vorher beendet werden müssen. Es kam zu der Situation, weil sich der MBH längst verabschiedet hatte und der V3 bei ihm war, also waren beide sozusagen weg. Dann ist dem N2, der aufgrund von häuslichem Doppelbesatz nach vorne gebeamt ist, einfach nichts anderes mehr eingefallen, als in alte, unstrukturierte Verhaltensmuster abzudriften. Erstens tut das keinem der Hunde gut, zweitens wäre daraus beinahe eine Massen-Mobbing-Situation entstanden, die in diesem Fall glücklicherweise vom VLH souverän und lässig aufgelöst wurde.

Der V2, stellungsstark aber sehr jung und unerfahren, war vorne oft alleine, weil der VLH hinten etwas mit dem N3 zu klären hatte, der wiederum unglücklich war, weil er hinten keinen Eckhund hatte..... Viele Fehler auf einmal.

Aber kommt bitte möglichst schnell aus der manchmal entstehenden menschlichen "Schockstarre" wieder heraus.

Ist deutlich, dass für die Hunde die Situation vorbei ist, muss der Druck, den ihr hinein gegeben habt, auch wieder heraus. Hierzu müsst ihr die Anspannung aus eurem Körper und eurem Geist entlassen, sonst wissen die Hunde nicht warum ihr so angespannt seid. Solange Eure Anspannung besteht, können sie ihre Spannung ebenfalls nicht gut abbauen.

Problem „schwächelnde“ Hunde und Menschen
Wenn, warum auch immer, unterwegs irgend etwas darauf hinweist, dass einer oder mehrere Hunde "schwächeln", entweder körperlich oder mental, muss man bereit sein, den Lauf früher als geplant zu beenden. Auch wenn Menschen "schwächeln", weil sie es nicht gewohnt sind, so lange zu laufen (körperlich) oder auch mental (macht sich oft durch "quatschen" bemerkbar) kann das ein Grund sein, den Lauf abzukürzen.

Wenn die Hunde erst konzentriert und gut gearbeitet haben und dann zunehmend wieder unstrukturierte Abläufe zeigen, dann kann das situationsbezogen an einem Außenreiz liegen oder/und die Hunde haben etwas zu klären, was sie aufgrund von Müdigkeit vielleicht nicht mehr gut hinbekommen. Dann würde ich versuchen, sie noch einmal zur Ruhe und in Struktur kommen zu lassen, um dann einen guten Abschluss zu finden.

Es kann aber auch passieren, dass einer oder mehrere Hunde einfach nach einiger Zeit mental müde sind. Daraus können dann interne Situationen entstehen, die erstmal wieder diskutiert werden müssen, wodurch Unruhe herein kommt. Auch hier sollte man versuchen, dass die Situation möglichst gut gelöst wird, und dann zu einem guten Abschluss kommen.

Diese Überlegungen könnten ein Grund sein, sich mit sehr ungeübten Hunden noch nicht allzu weit vom Ausgangspunkt/Auto zu entfernen. Wenn man nach 2 Stunden feststellt, dass die Hunde zu müde sind, um noch etwas Gutes hinzubekommen, muss man trotzdem noch wieder zurück.

Ungeplanter Abbruch des Laufs

Sollte es nötig sein, den Lauf abzubrechen, oder sollte ein Mensch, warum auch immer, beschließen, dass er abbrechen möchte, versucht möglichst aus einer für die Hunde guten und strukturierten Situation heraus Euch wieder in die Kleingruppen aufzuteilen und erst dann wieder die Hunde zu vereinzeln, wenn es nötig sein sollte.


Die Hunde brauchen Zeit
Gebt den Hunden wirklich viel, viel Zeit sich zu entwickeln. Es kann sein, dass es einem wie ein Wundervorkommt, wenn man seinen Hund das erste Mal arbeiten sieht, und das ist auch ok. Erwarten solltet ihr das Wunder jedoch nicht. Auch ein einmaliger Lauf zeigt bei vielen Hunden bereits einen für sie positiven Effekt.

Wenn man sich mehrfach in derselben Konstellation trifft, muss man mit Aufs und Abs rechnen. Die Hunde brauchen eure Geduld und ihre Zeit, sowohl während des einzelnen Laufs als auch in Form von Wiederholungen, damit die gemeinsame Arbeit sich stabilisieren kann und die inneren Zustände von Ruhe und Zufriedenheit sich dauerhaft Raum schaffen können.

Fotografieren und Filmen
Das ist, wie ich finde, ein leidiges Thema. Macht euch bewusst, dass Ihr hinter der Kamera für eure Hundeentweder gar nicht mehr präsent seid oder aber die Aufmerksamkeit derart auf euch zieht, dass es die Hunde aus ihrem Hundsein herausbringt.

Für Stellungsläufe mit ungeübten Hunden und Menschen würde ich empfehlen, eine oder zwei sehr unbeteiligte, den Hunden fremde Personen (Vorsicht nur bei Hunden, die ein Problem mit fremden Menschen haben) dafür abzustellen, Aufnahmen zu machen.

Damit hinterher auf den Videos auch etwas zu erkennen ist, muss immer die gesamte Situation gefilmt werden.

Die Kamera muss also vergleichsweise weit weg sein. Die zweite Person könnte dann einzelne Szenen filmen, sowie Blicke und die feinen Abläufe in der Nahaufnahme einfangen. Das geht natürlich nur mit dem Teleobjektiv, weil man sonst wieder zu dicht heran muss und stört.

Alles andere macht meiner Meinung nach keinen Sinn.

Abschließend:
Habt präsent, dass einerseits zwar Alles für Alle mehr oder weniger neu ist, wir aber auf verschiedenenHintergründen unterschiedliche Vorstellungen von "Hundeerziehung" haben, sowie über unterschiedliches Wissen über Hunde, in Quantität und in Qualität verfügen. Möge uns das jetzt nicht im Wege stehen.

Denkt daran, dass die Hunde eure Bewertungen der Situation ernst nehmen. Stimmungsübertragung wird oft unterschätzt, also sorgt auch dafür, dass ihr Menschen euch in der Situation gut fühlt.

Zu guter aller Letzt:
Wir alle machen Fehler und in der Regel überleben es die Hunde augenscheinlich unbeschadet.

Aber wir sollten, auch und gerade wenn wir - weil die Realität uns andere Vorgaben und Vorschläge macht - eigene Wege gehen und uns gegen diese oder jene "Richtlinie" entscheiden, immer im Blick behalten, was es wirklich macht mit den Hunden und den gemachten Fehlern ehrlich in Auge sehen. Nur dann werden wir es am Ende wirklich gut und zu Gunsten der Hunde machen.

Ich wünsche euch viel Freude und Erfolg beim Stellungslaufen, sowie viele, neue Erkenntnisse, an denen ihr hoffentlich uns alle auf unserer Plattform teilhaben lasst.

Euren Hunden wünsche ich, auf diesem Wege ein verlorenes Stück ihrer Selbst wieder zu finden und daran innerlich zu wachsen.

Martina/fellfreund