Der Verständigungsschlüssel zum Hund für Züchter, Trainer und Hundehalter

Ich habe das Buch zu „Rudelstellungen“ gelesen und /oder habe mich auf der Homepage angemeldet und eingelesen.

Und nun?

Zu Beginn ist es wichtig und richtig, sich theoretisch mit dem Wissen rund um Rudelstellungen (RS) vertraut zu machen.

Viele Begriffe und Zusammenhänge hat man so noch nie gehört.

Allein durch die Beschreibungen im Buch können viele Leser schon Parallelen zu ihrem Hund erkennen.
Aber Theorie alleine reicht nicht.
Um Rudelstellungen wirklich zusammen mit seinem Hund bzw. seinen Hunden leben zu können, ist es absolut erforderlich, sicher die Stellung seines Hundes zu wissen.

Das sichere Einschätzen kann nur auf einem Workshop passieren,
Einschätzungen über Fotos/ Videos sind niemals wirklich zuverlässig sicher.

Der Besuch eines Workshops – was genau passiert denn da?

Zu einem Workshop kommen neben den Neueinschätzern , also denjenigen, die die Stellung ihres Hundes noch nicht wissen, auch immer einige Wiederholer-Teilnehmer. Sie bringen ihre schon eingeschätzten Hunde mit, denn diese Hunde helfen, die noch unbekannten Stellungen der neuen Hunde zu erkennen.

Die Wiederholer stehen gerne auch mit Rat und Tat hilfreich den Neueinschätzern zur Seite!

Jeder Workshop beginnt mit einer theoretischen Einführung von Barbara Ertel.
Nach dem Vortrag können auch schon einige individuelle Fragen zur Materie beantwortet werden.

WICHTIG: Während dieses Theorieteils müssen alle Hunde im Auto warten und können nicht dabei sein.
Überhaupt muss man an einem solchen Workshop damit rechnen, dass der Hund lange Wartezeiten im Auto verbringen wird.

Es ist also ratsam, das Auto schattig zu parken bzw. abzudecken, einen bequemen Liegeplatz im/am Auto für den Hund zu schaffen.

Die Autos der Teilnehmer sollten weit genug auseinander geparkt werden, damit die einzelnen Hunde sich nicht gegenseitig stören können.

Nach der Theorie geht es an die eigentliche Einschätzung.
Dazu wird immer eine große Wiese mit einem Schafzaun eingezäunt, so dass man beruhigt seinen Hund darauf frei laufen lassen kann.

Nacheinander wird jeder neue Hund eingeschätzt.
Hat ein Teilnehmer mehrere Hunde, werden alle Hunde aus dem Hausbestand gemeinsam angeschaut.

WICHTIG: Während der gesamten Einschätzung darf man kein einziges Wort mit seinem Hund sprechen, auch Handzeichen, Leckerchen und sonstige Beeinflussungen des Hundes sind absolut verboten!

Man holt seinen Hund aus dem Auto und führt ihn an der Leine zu der eingezäunten Wiese.
Hierbei wird streng darauf geachtet, dass der Hund keinem fremden Hund begegnet.
Auf der eingezäunten Wiese wird er dann sofort von der Leine gelassen.
Man selber läuft in möglichst großen Kreisen über die Wiese, und macht sonst nichts.

Das alles dient dazu, dass der Hund sich aus sich heraus zeigt, er selber soll entscheiden, wie er sich wohin bewegt.

An dieser Bewegung im Freilauf und seinem gesamten Verhalten kann die Rudelstellung des Hundes erkannt und eingeschätzt werden.

Je nachdem, wie gut der Hund noch in seiner Stellung lebt, wird er leichter oder auch schwerer einzuschätzen sein, manche Einschätzungen dauern deswegen sehr kurz, manche ziehen sich über einen längeren Zeitraum hin.

Nach dieser Voreinschätzung werden aus den Hunden der Wiederholer passende Hunde herausgesucht, die die Stellung des neuen Hundes bestätigen sollen.

Hier kann man oft eine deutliche Identifizierung beobachten, und manchmal finden auch schon erste Arbeitsabläufe zwischen den Hunden statt.

WICHTIG: Keine Angst vor Unverträglichkeiten unter den Hunden!
Es kam bei den Workshops noch nie zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen zwei sich fremden Hunden, da genauestens darauf geachtet wird, dass nur passende Hunde zueinander gelassen werden.

Nach jeder Einschätzung geht es ja meist gleich weiter mit der nächsten Einschätzung – es bleibt also in diesem Moment nicht viel Zeit zur Besprechung der einzelnen Stellungen. Hier ist die Geduld jedes Teilnehmers gefragt: Es werden ganz sicher alle Fragen beantwortet und auch jeder Hund noch genau erklärt – genau dazu ist die

Nachbesprechung erfolgt am Abend.

Nach der Einschätzung bringt man seinen Hund dann wieder zurück ins Auto.

Es gibt während der Einschätzungsphase meist eine Mittagspause, wo ohne Hund zusammen gegessen wird. Man kann diese Mittagspause natürlich auch nutzen, und mit seinem Hund zusammen spazieren gehen.

WICHTIG: Während der Einschätzungsphase ist Barbara Ertel ausschließlich auf die Hunde konzentriert. Sie kann während der Einschätzung unmöglich Fragen beantworten oder schon detailliert genaueres zum Hundebestand erklären. Bitte alle Fragen aufheben, und abends bei der Nachbesprechung zusammen mit allen Teilnehmern und Wiederholern wird auf jede persönliche Frage eingegangen.


Nach dem Workshop – ich habe das Ergebnis. Was nun?

Viele Workshopteilnehmer machen sich schon vor dem Besuch des Workshops Gedanken, welche Stellung der eigene Hund haben könnte.

Direkt nach der Einschätzung beim Workshop bekommt der Teilnehmer das Ergebnis, welche Stellung der eigenen Hund hat.

Bei den vergangenen Workshops in den letzten zwei Jahren hat sich oft gezeigt,
dass das Ergebnis manches Mal dazu führt, dass der Teilnehmer erst einmal ratlos ist, was er von dem Ergebnis halten soll.

Da das Ergebnis erst am Abend bei der Nachbesprechung genau erklärt werden kann,
fühlen sich manche Teilnehmer an dieser Stelle vielleicht hilflos und wissen nicht so recht, wie sie nun mit diesem Ergebnis umgehen sollen.

WICHTIG:
Kaum eine Einschätzung führt zu einem „idealen“ Ergebnis – ideal wäre z.B. ein NLH als Einzelhund, oder mehrere zusammenpassende Hunde, die ein Teilrudel bzw. Rudel zusammen ergeben.
Wer hat das schon?
Also: ruhig bleiben, kein Ergebnis ist ein Weltuntergang. Und für jedes Einschätzungsergebnis gibt es auch eine gute Lösung und einen Weg mit RS.

Das zeigen die vielen Menschen hier im Forum, die zusammen mit ihrem Hund dann nach dem Workshop mit RS einen Weg finden und das Beste für sich und den Hund daraus machen!

Jeder hier im Forum und auch beim Workshop ist bereit, alle Fragen zu beantworten, die sich nach einer Einschätzung ergeben.

Aber keiner von uns ist Hellseher; deswegen einfach keine Scheu haben, man kann ruhig alles erfragen und sich erklären lassen.
Je besser der Hundebesitzer sich informiert, desto besser kann er dann RS mit seinem Hund umsetzen, und das ist das Ziel von allen hier: den Hunden durch RS die Lebensqualität und Kommunikation mit ihrem Besitzer zu verbessern!

Die verschiedenen Einschätzungsergebnisse:

Ergebnis Einzelhunde:
Zu den einzelnen Stellungen und den richtigen Umgang kann man schon viele Informationen auf der Homepage erhalten bzw. auch im Buch schon nachlesen.

Grundsätzlich gilt grob gesagt:
NLH: diese Stellung wird als einzige Stellung zur Haltung als Einzelhund empfohlen,
der Mensch übernimmt die Rolle des sichernden N3.
(Genauere Informationen zu den einzelnen Stellungen als Einzelhund werden hier nicht besprochen, aber es gibt wirklich viele Berichte und Beschreibungen auf der Homepage nachzulesen.)

Bei RS wird immer davon ausgegangen, dass jeder Hund zumindest zusammen mit seinem passenden Binde- bzw.

Eckhund leben sollte.
Heutzutage ist es aber so, dass die meisten Menschen ihren Hund als Einzelhund halten wollen.
Das bedeutet, dass der Mensch dann im Zusammenleben mit dem Hund entweder den sichernden Bindehund für seinen

Eckhund übernehmen muss, oder eben den passenden Eckhund zu seinem Bindehund.

Ergebnisse Mehrhundehalter:

1. Passende Hunde
z.B. Eckhund plus passender Bindehund, oder auch komplettes Nachrangrudel oder komplettes Vorrangrudel.

Passende Hunde sind:
- VLH-V2
- MBH mit N2 und /oder V3 (der MBH hat zwei passende Bindehunde N2 und V3)
- NLH und N3


Wunderbar, das ist optimal!


2. Fehlbesatz
z.B. zwei Bindehunde
oder zwei Eckhunde
oder Eckhund mit nicht passendem Bindehund
oder drei Hunde, wo keiner zum anderen passt (etwa NLH, N2, V2)
etc.

Fehlbesatz ist:
- jeder Bindehund zusammen mit einem weiteren Bindehund , also: N3 – N2;
N3 – V3; N3 – V2; N2 – V3; N2 – V2; V3 – V2
- Jeder Eckhund mit einem weiteren Eckhund, also: NLH – MBH; MBH- VLH; NLH – VLH
- Eckhund mit nicht passendem Bindehund, also : NLH – N2, NLH – V3; NLH – V2; MBH – N3; MBH – V2; VLH – N3;

VLH – N2; VLH – V3
- Mehr als zwei Hunde, wo keiner zum anderen passt
- Mehr als zwei Hunde, wo nur zwei zusammen passen, und der dritte passt nicht dazu (z.B. MBH – V3 mit N3; VLH

– V2 mit N2; etc)
- Fehlbesatz ist auch, wenn man 4 Hunde hat, wo je zwei zusammen passen, z.B. NLH – N3 und VLH - V2; oder NLH

– N3 und MBH- V3; etc.

Solche und ähnliche Ergebnisse kommen sehr häufig bei Einschätzungen heraus.
Was soll man tun? Wie kann man das lösen, um den Hunden möglichst RS-gerecht werden zu können?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, und jedem Hundehalter ist es freigestellt, welchen Lösungsweg er gehen will.

Manche Lösungen erscheinen aus menschlicher Sicht rigoros, vielleicht auch „extrem“.
Andere Lösungen liegen aus menschlicher Sicht näher, sind einfacher umzusetzen.

WICHTIG:
Hier bei RS gehen wir immer von der Lösung aus, die für DEN HUND die naheliegendste und beste Lösung ist –
auch, wenn diese Lösung für den Menschen manchmal schmerzhaft oder sehr aufwendig ist.
Genauso wichtig ist aber:
Wir wissen genau, dass jeder Mensch andere Voraussetzungen und Möglichkeiten im privaten Umfeld hat, so dass jeder seinen Umständen und Möglichkeiten nach handelt.
Davon gehen wir aus:
Jeder hier versucht, so gut es ihm nur möglich ist, RS zusammen mit seinem Hund umzusetzen.
Manchen Menschen ist es möglich, seinen Hundebestand aufzustocken, manchen ist es nicht möglich. Keiner wird verurteilt, wenn er nur kleine Schritte gehen kann.

Nun zu den Lösungen:

Nehmen wir als Beispiel: Fehlbesatz NLH- N2- V2, und erörtern hier die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten.
Das ist ein denkbar unpassender Bestand.

Die für den Menschen einfachste Lösung wäre: einfach alles so zu belassen.
Aber: die für den Menschen einfachste Lösung ist für uns hier bei RS nicht immer automatisch die beste und richtige Lösung.

Es ist zwar bequem, aber hier geht es nicht um menschliche Bequemlichkeit, sondern darum , den Hunden das Leben und Miteinander zu erleichtern.
Der Mensch muss sich hierbei manchmal in seinen eigenen Bedürfnissen zurücknehmen und aus Sicht des Hundes denken.

Lösung 1:
den NLH je nach Alter als Einzelhund weiter behalten.
Den N2 je nach Alter und Stellungsstärke mit einem neu aufgenommenen MBH vergesellschaften.
Den V2 je nach Alter und Stellungsstärke mit einem VLH vergesellschaften.
Perfekt wäre auch noch die Hinzunahme eines V3, so dass sich die Reihe N2 – MBH – V3 – V2 – VLH ergibt und schliesst.

Lösung 2:
Je nach Alter und Stellungsstärken der Hunde NLH behalten als Einzelhund und sowohl für den N2 als auch für den V2 einen passenden Platz bei einem Einzelhund MBH bzw. VLH suchen.

Lösung 3:
Den NLH vergesellschaften mit einem neu aufgenommenen N3,
den N2 vergesellschaften mit einem neu aufgenommenen MBH,
und für den V2 einen passenden Platz bei einem Einzelhund VLH suchen,
so dass sich ein Nachrangteilrudel NLH-N3-N2-MBH ergibt.


Weitere Lösungen:
Man könnte natürlich auch zu einem Komplettrudel aufstocken,
oder nur einen der schon vorhandenen Hunde behalten, die beiden anderen abgeben, und zu dem behaltenen Hund den passenden Hund neu aufnehmen.


WICHTIG:
Es gibt immer viele verschiedene Lösungen, und man selber muss sich klar werden,
was man selber will und was das Beste für die eigenen Hunde ist.


3. Ergebnis Doppelbesatz – was ist denn Doppelbesatz, und warum ist das so schlimm?

Doppelbesatz nennt man, wenn zwei Hunde mit identischer Stellung zusammen leben müssen.
Also z.B.: NLH- NLH
N3 – N3
N2 – N2 etc.

Jeder Hund hat in seiner angeborenen Rudestellung eine bestimmte Funktion im Rudel zu erfüllen. Er allein hat die angeborenen Fähigkeiten, genau diese Funktion auszufüllen und ist somit ein wichtiges „Zahnrädchen“ im

Hunderudel mit den 7 verschiedenen Stellungen : NLH - N3 – N2 – MBH – V3 – V2 – VLH

Macht man nun als Mensch den Fehler und nimmt einen zweiten identischen Hund zum ersten Hund dazu, dann bedeutet das für BEIDE Hunde:

andauernder Stress und Konkurrenzkampf, beide wollen genau diese eine Stellung ausfüllen.
Jeder der identischen Hunde wird ab sofort versuchen, den anderen Hund zu unterdrücken , zu verjagen, zu mobben, zu dominieren, zu verletzen.

Ein immer und andauernder Kampf entsteht zwischen diesen beiden Hunden, ein Kampf, der nicht immer sichtbar und auf körperlicher tatsächlich kämpfender und sich verletzender Ebene stattfinden muss, sondern Tag für Tag, Sekunde für Sekunde auch auf mentaler und psychischer Ebene zwischen den Hunde passiert.

Die beiden Doppelbesatzhunde können NIE!!! abschalten, sie beobachten sich permanent, sie stehen ständig unter dem Druck, stärker als der andere sein zu müssen.

Zu Beginn einer solche Doppelbesatz-Hundehaltung sieht man oft mehr körperliches Agieren, viel Rennen und sich gegenseitig an der Halskrause ziehen, oder auf die Hinterbeine steigen, sich gegenseitig Hinlegen und andauerdes aneinander „arbeiten“.

Nach einiger Zeit des Zusammenlebens tritt eine furchtbare „Gewöhnung“ und ein miteinander - Arrangieren der Hunde ein.

Man sieht dann oft nur noch an Kleinigkeiten zwischen den Hunde, dass sie sich miteinander arrangieren MUSSTEN, aber im Grunde genommen sich gegenseitig hassen.

Manchmal sieht man übertriebenes enges Beisammenliegen – das dient zur andauernden Kontrolle des anderen Hundes, manchmal sieht man sogar Sozialgestenaustausch – das dient zur ständigen Deeskalation zwischen den zwei Hunden.

Im Vergleich zu passenden Hunden ist alles Agieren miteinander völlig übertrieben, nie zur Ruhe kommend, immer angespannt und immer ungut.

Für den Menschen sieht solches Doppelbesatz-Agieren leider sogar manchmal „niedlich“ aus, viele verwechseln die gegenseitige Mobberei mit „die spielen aber schön miteinander!“....

Doppelbesatzhunde spielen nicht und sind auch niemals niedlich miteinander – es ist die Hölle für diese Hunde, jede Sekunde ihres Lebens bedeutet Kampf und Stress.

Abschliessend sei noch mal deutlich betont:
Jeder Mensch, der seinen Hund zum Leben im Doppelbesatz zwingt, tut seinem Hund das Schlimmste an. Es ist schiere Tierquälerei.

Was soll man also tun bei dem Workshopergebnis Doppelbesatz?

Will man ernsthaft nach RS mit seinen Hunden leben, dann gibt es hier nur eine einzige richtige Lösung, zum Wohle aller beteiligten Hunde:

Der Doppelbesatz muss getrennt werden, und zwar auf Lebzeiten.

Die Hunde dürfen sich nie wieder begegnen.

Aber ich liebe meine Hunde doch so sehr! Ich würde niemals einen meiner Hunde abgeben!!! Gibt es keine andere Lösung?

Nein.
Wenn man seine Hunde wirklich liebt, dann erlöst man sie aus dem Fluch, im Doppelbesatz leben zu müssen.

Liebt man dagegen sich selber und sein bequemes Leben mit den Hunden , die sich arrangieren mussten, weil ich sie als Hundehalter dazu gezwungen habe, zusammen leben zu müssen, stellt man egoistisch sein eigenes emotionales Seelenheil über das Seelenheil der Hunde, und entscheidet: die Hunde bleiben alle zusammen und bei mir!, dann kann hier nicht von „Liebe zu den Hunden“ die Rede sein.

Man weiß vom Doppelbesatz, nimmt in Kauf , dass die Hunde tagtäglich die Hölle durchleben, nur weil man selber nicht bereit ist, von seiner gewohnten Komfortzone abzurücken – und nennt das dann Liebe zum Hund?

Liebe zum Hund heißt in diesem Fall:
Ich gestehe mir meinen Fehler der Fehlvergesellschaftung ein, und ich erlöse die Hunde aus dem Zusammenleben im Doppelbesatz.

An dieser Stelle:
Einige persönliche motivierende und tröstende Worte aus eigener Erfahrung:

Ich selber hatte einen Doppelbesatz V3 – ich weiß, wovon hier die Rede ist.
Ich selber habe den Schmerz nach dem Workshop durchgemacht, mit diesem Ergebnis leben zu müssen.

Die beiden V3 hatten sich arrangiert und lebten – nach außen hin – „friedlich“ nebeneinander her. Ich hätte alles so belassen könne, das wäre doch so schön einfach und bequem für mich gewesen......

Die beiden V3 wurden sofort getrennt und sahen sich NIE WIEDER.

Diesen Moment wünsche ich allen Hundebesitzern zu erleben, wenn man endlich den Doppelbesatz getrennt hat:

Die beiden V3 waren erst noch auf der Hut, schauten, ob die andere V3 doch wieder auftaucht. Und dann sah man beiden Hunden deutlich sichtbar an, wie die jahrelange Anspannung von ihnen abfiel.
Beide fielen in tagelangen Tiefschlaf, der nur kurz zum Lösen und Fressen unterbrochen wurde.
Eine der beiden hatte zuvor ein immer angespanntes Gesicht mit Stirnrunzeln und angespannten Mundwinkeln gehabt – das alles verschwand, sie wurde fröhlicher und hatte ein glattes sorgenfreies Gesicht.

Die jüngere V3 konnte sich endlich ihrer Stellung gemäß entwickeln, musste nicht jeden Tag aufpassen, dass es wieder zur einen Zusammenstoß kam.

Beide Hunde haben es mir deutlich gedankt, dass ich den Schritt der Trennung vollzogen habe.

Dieser Schritt, einen Doppelbesatz aufzulösen, kostet einige Überwindung, viel Mut und Kraft,
es fordert, die eigenen menschlichen Harmonie-Bedürfnisse hinter die Bedürfnisse der Hunde zu stellen.
Aber wenn man sieht, wie sehr die Hunde aufatmen nach dieser Trennung, und wie viel freier sie sich dann zu voller Stärke und Präsenz entwickeln können, dann weiß man, dass man alles richtig gemacht hat.

Aus der Erfahrung einiger Forenmitglieder wissen wir auch:

Hunde, die abgegeben wurden an eine Stelle zu einem passenden Hund oder als Einzelhund, nahmen diese Umstellung alle ohne jegliche Mühe an.
Futterunverträglichkeiten verschwanden,
Inkontinenzen und andere körperliche Beschwerden verschwanden, und durch das Zusammenleben mit einem passenden Hund gewannen alle Hunde an innerem Halt und an Selbstsicherheit.

Trafen diese Hunde auf ihre vorherigen Besitzer, signalisierten die Hunde deutlich, dass sie sich zu ihrem neuen Platz zugehörig fühlen und keinesfalls wieder zurückgehen wollen.
Das ist aus menschlicher Sicht vielleicht hart und schwer nachzuvollziehen, denn man liebt seine Hunde und will ihnen ja nichts Böses tun, und natürlich geht man auch davon aus, dass der Hund es bei einem selber immer am allerbesten hat.
Hunde sind da anders als Menschen:
Für sie ist wichtig, den passenden Hund bei sich zu haben, oder wenigstens als Einzelhund ohne Doppelbesatz in Ruhe leben zu können.
Da tritt der Mensch als Bezugsperson an zweite Stelle – das muss man als Mensch einfach hinnehmen.


Ein nochmals abschließender Appell an alle –
für die Hunde:

Trennt Doppelbesatz.
Erspart euren Hunde das Leben in Doppelbesatz.
Das Leben im Doppelbesatz ist Tierquälerei.
Kein Hund hat verdient, sein Leben lang in andauerndem Stress und Druck zu leben.
Auch wenn es weh tut und schwer ist – in diesem Fall ist es der größte Liebesbeweis an eure Hunde, wenn ihr sie aus dem Doppelbesatz befreit.