Der Verständigungsschlüssel zum Hund für Züchter, Trainer und Hundehalter

Stellungsstarke Hunde besitzen ein hohes sensibles Bewertungssystem, dass sie sowohl bei Hunden wie auch bei Menschen anwenden.

Bewertung der Stellung:

Stellungsstarke Eckhunde und Bindehunde bewerten Außenreize durch Fixierung.

Handelt es sich bei dem Außenreiz um einen stellungsstarken Hund, erkennen sie dessen Stellung aus der Entfernung. Wenn es sich um einen stellungsschwachen Hund handelt, benötigen sie den Kontakt, um sich noch weitere Informationen einzuholen, die dann auch nach der Bewertung die jeweils notwendige Anschlusskommunikation aktiviert.

Deswegen ist es wichtig, dem Hund immer die Zeit für die Bewertung zu lassen. Merkt man, er kommt zu keinem Ergebnis, sollte man ihm leicht über die Augen streichen und selber die Bewertung vornehmen und beenden. NLH und VLH brauchen ganz viel Zeit, beim MBH geht es schneller. Vorrang-Nachrang Bindehunde bewerten kurz - Eckhund oder nicht - Vorrang oder Nachrang.

Deswegen ist es wichtig, die Hunde stellungsstark zu halten, weil aus der Entfernung dann sowohl die Bewertung, wie auch das richtige Anschlussverhalten aktiviert werden kann. Passt die eigene Stellung nicht, geht man sich einfach aus dem Weg und verabschiedet sich aus der Entfernung.

Das undifferenzierte Hinlaufen zu anderen Hunden vor allem bei stellungsschwachen Hunden kommt aus dem Reparaturzwang, hier sich den passenden Anschluss zu suchen, allerdings häufig ohne die Fähigkeit, zu erkennen, dass es bei diesem Fremdhund sinnlos ist. Das wird häufig erst gemerkt, wenn man sich begegnet. Wenn es nicht passt, ist es dann häufig zu spät, sich noch friedlich zu verabschieden. Da muss sich dann der Mensch sofort mit seinem Körper zwischen die Hunde stellen.

Gefährlich wird es, wenn stellungsschwache Hunde durch ihr eigenes infantiles Verhalten (Distanzlosigkeit verbunden mit Undiszipliniertheit) auf stellungsstarke Hunde losstürmen und keinerlei Kommunikationssignale des stellungsstarken Hundes aufnehmen.

Beide Verhalten: Hündische Distanzlosigkeit und Undiszipliniertheit haben nichts mit der Erziehung zu tun. Auch gut erzogene Hunde zeigen dieses Verhalten.

Die Bewertungskriterien eines stellungsstarken Hundes sind:

  • Welche Stellung hat der Fremdhund
  • Welche Stellungsfähigkeit hat der Fremdhund
  • Beide Kriterien werden verarbeitet und der Hund setzt seine dementsprechende Kommunikation dazu ein, die Begegnung zu deeskalieren.

 

Bewertungungen des Menschen durch den Hund  

Genau das gleiche macht der Hund bei Menschen.

Alle Hunde sind Weltmeister darin, Menschen zu bewerten, wenn sie noch in irgendeiner Form Stellungswissen haben. Die Kriterien sind:

  • Weiß der Mensch überhaupt etwas von mir?
  • Verhält er sich Stellungskonform?
  • Ist er arbeitsfähig mit mir?

 

Fällt das Ergebnis bei Eckhunden jedesmal negativ aus, bekommt man mit dem Hund Probleme. Der Mensch wird als nicht fähig bewertet und der Eckhund verselbständigt sich.

Bei Bindehunden hat der Mensch das Glück, dass sie passiv Körper benötigen, um sich wohl zu fühlen. Sie nehmen einfach den menschlichen Körper als Sicherheit. Aber Bindung zum Menschen bedeutet dies Verhalten nicht. Diese Hunde nehmen sich dann auch irgendeinen anderen menschlichen Körper, wenn sich eine Gelegenheit bietet.


Dabei haben die 2er Stellungen aufgrund ihrer Führfähigkeit die Tendenz, sich vom Menschen als Führer zu verabschieden und die Führung selbst aufzunehmen, einschießlich des Menschen, und wenn dieser passiv ist, ihn einfach stehen zu lassen. Dabei beamen sie sich gerne zusätzlich in die freie Eckhundstelle. Damit erhöht der Mensch das damit verbundene Fehlverhalten. Der Hund benötigt noch mehr Druck aus der Erziehung, die dieser dann wiederum negativ bewertet. Umso stellungsstärker der Hund ist, desto brutaler fällt seine Bewertung aus.

Die 3er Stellungen machen diesbezüglich nur in ihrem aufbauenden Aggressionsverhalten Probleme. Fällt deren Bewertung so aus, dass sie sich lediglich den menschlichen Körper  zur Sicherheit nehmen, erhöht dies gleichzeitig den Druck auf den Hund, seine Entscheidungen permanent allein aufzubauen, da er als Wächter meint, auch diesen Passivkörper schützen zu müssen.

Alle üblicherweise vom Menschen abgespulten Verhaltensweisen, die dem Hund angeblich gut tun sollen, wie viel streicheln, viel rumtütteln und viele sinnlose Spiele machen, werden von allen stellungsstarken Hunden als menschliche Schwäche bewertet.

Deswegen ist es wichtig, alles genau so zu machen wie die Stellung es auch bedarf.

Als Mensch begibt man sich einfach in die fehlende Stellung für den Eckhund oder den Bindehund und man arbeitet aus der fehlenden Stellung heraus mit seinem Hund.

Ganz gezielt und sinnvoll erfolgen dann die gegenseitigen Bewertungen und Belobigungen zwischen Hund und Menschen. Auch die Sozialgesten kommen ganz gezielt und immer nur kurz.


Eine negative Bewertung des Menschen durch den Hund bedeutet immer gleichzeitig, dass der Hund  meint, er müsse sich selbst um alles kümmern. Je nach Stellung hat der Mensch dann auch Probleme nach außen mit diesem Hund.