Der Verständigungsschlüssel zum Hund für Züchter, Trainer und Hundehalter

Stellungsfähigkeit

Da mir die Erfahrung fehlte, Hunde in ihren heute real vorzufindenden Zuständen nach ihrer Fähigkeit zu beurteilen, aus der Geburtsstellung vorhandenes Wissen und Können zu aktivieren, habe ich begonnen, Kategorien für den Grad dieser Fähigkeit festzulegen und die eingeschätzten Hunde in diese einzustufen.

Kategorie – perfekt

Bisher wurden mir nur zwei Tiere vorgestellt, die so sind wie ich Hunde kenne. Es handelte sich um einen Straßenhund aus Südosteuropa, der erst vor 3 Monaten nach Deutschland kam und leider sein Dasein im Zwinger verbringen muss. Spätestens in 3 Monaten ist dieser Hund so kaputt, dass ich ihn wirklich nicht noch einmal vorgestellt bekommen möchte.

Bei dem zweiten Hund handelte es sich um einen Welpen, der alle Voraussetzungen eines guten Starts hatte, aber in einem Bestand mit durch Doppel- und Fehlbesatz verhaltensauffällig gewordenen Hunden kam. Das was ich heute von diesem Hund sehe, entspricht nicht den notwendigen Eckdaten eines solchen, guten Hundes.

Also konnte ich die Kategorie „Stellungsperfekt" nur 2 x vergeben.

Kategorie I – Stellungsstark

Auch hier erkenne ich bereits Unterschiede in der Qualität nach 500 Tieren.

Unabhängig von der Geburtsstellung sind stellungsstarke Hunde, die sich innerhalb ihrer Stellung auch ausleben können, in sich ruhende Hunde, die eine hohe Intelligenz besitzen und sich leicht vom Menschen führen lassen. Diese Hunde wünschen keine Probleme und verursachen keine Probleme. Dazu muss sich der Mensch aber davon verabschieden, dass er dem Hund irgendetwas beibringen kann. Der Hund bringt zuerst dem Menschen sein Wissen bei. Lässt dieser sich darauf ein, lernt er vom Hund und hat so den Schlüssel in der Hand, auch seine Forderungen dem Hund begreiflich zu machen. Dabei muss der Mensch in seiner Persönlichkeit die gleiche hohe Festigung für sich selber besitzen, wie der Hund durch seine Stellung innerlich gefestigt ist

Welche kreativen Ansätze da notwendig sind, kann man sich individuell selber beibringen, sowohl durch häufiges, intensives Beobachten als auch, indem man sich mit anderen Hundehaltern zusammenschließt, deren Hunde zum eigenen Bestand passen.

Kategorie II – Stellungsfähig

Auch hier beginne ich bereits unterschiedliche Kriterien zu sehen. Stellungsfähig heißt, der Hund zeigt während der Einschätzung so viele Abläufe aus seiner Geburtsstellung, dass es relativ schnell gelingt, durch Zuführung der passenden Geburtsstellung bei ihm bereits Arbeitsabläufe aus seiner Stellung zu sehen. Da ich aber immer wieder erkenne, dass es auch in diesem Bereich bereits Unterschiede in den Fähigkeiten gibt, wird es bestimmt von mir mit der Zeit noch differenziertere Kriterien innerhalb dieses Bereich geben müssen. Ein stellungsfähiger Hund hat nicht mehr alles Wissen und Können aus seiner Geburtsstellung, aber inwieweit der Verkümmerungsprozess bereits fortgeschritten ist, ist sehr unterschiedlich.

Ob sich diese Tiere wirklich noch für eine Aufstockung eignen, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich denke, dass es im Vorrang möglich sein wird, bei den Stellungen N3 und NLH aber bestimmt nicht mehr.

Kategorie III - Stellungsschwache Hunde

Hunde haben nur noch wenige Fähigkeiten, wenn sie sich nicht gegenseitig professionalisieren können, weil sie aus nicht akzeptablen Würfen (Doppel- oder Mehrfachbesatz identischer Stellungen) stammen.

Kommen sie aus so einem Wurf und der Mensch berücksichtigt dann auch wieder die jeweilige Stellung nicht, so dass sich das angelegte Wissen wenigstens dann verfestigen ließe, dann verlieren sich diese Hunde im späteren Leben. Sie besitzen kaum bis nur noch wenige Reste der stellungsstarken Hunde in der gegenseitigen Kommunikation. Auch fehlt der Respekt vor den vorgegebenen Tabuzonen. Sie verletzen einfach die Tabuzonen anderer Hunde und agieren mehr oder weniger infantil.

Stellungsstarke Hunde können diese Hunde häufig auch nicht mehr aus der Entfernung bewerten und gehen viel zu nahe an diese Hunde, was sie bei identisch-stellungsstarken Hunden nie machen würden.

Alle sich bei solchen Begegnungen ergebenden negativen Verhaltensweisen resultieren aus diesen konträren Hundestellungsfähigkeiten.

Kategorie IV – Stellungslos

Hier möchte ich nicht weiter auf diese Kategorie eingehen, da es ein ausschließliches Produkt der Zucht mit weitreichenden Folgen für die Halter ist. Für mich ist es eine Anomalie aus der Zucht. Für Halter ist es eine Katastrophe, wenn sie Hunde aus alter Lebenserfahrung kennen. Bei bestimmten Rassen ist Stellungslosigkeit bereits zu 80% vorhanden.

Kategorie V – Schläfer

Das sind Hunde, die einfach aufgrund von krassem Fehlbesatz, aber ohne Doppelbesatz ausgesetzt zu sein, ihre Geburtsstellung unterdrücken, aber wenn sie die richtigen Geburtsstellungen, die zu ihrer Stellung passen, zugeführt bekommen, sehr schnell zeigen, welches Können sie noch haben. Leider fehlt mir die Erfahrung um zu sagen, in welcher Fähigkeit dieser Schläfer noch bis zur Perfektion sich entwickeln kann.

 

Fazit

Mit den Kategorien II – V habe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben seit Juli 2011 befasst, kann aber nach über 500 Tieren in diesem Zeitraum eine Aussage über die Gesamtsituationen von Hunden in der heutigen Gesellschaft machen.

Mein Fazit: Wer hat den Menschen nur so viel Unverstand über Hunde beigebracht?

Wer Angst hat vor dem komplexen Wesen Hund hat, sollte die Finger von Hunden lassen. Wer sich ihnen anschließt und sie nicht zerstört in ihrer Perfektion seit der Geburt, wird gerade in unserer heutigen Zeit sehr viel Freude an seinem Hund haben und seine hohen Fähigkeiten der Eigendisziplin und Eigenkorrektur zu schätzen wissen, weil man sich auf so einen Hund immer verlassen kann.

Dazu ist es aber notwendig, dass der Mensch endlich aufhört, sich über andere Lebewesen zu erhöhen, sondern lernt, dass durch die gewünschte Symbiose Hund-Mensch, der Hund dem Menschen Dinge beibringen kann, die dem Mensch aufgrund seiner Entwicklungsgeschichte verloren gegangen ist. Die innere Sehnsucht nach diesen Kriterien trägt er aber nach wie vor in sich. Der Hund ist in der Lage, dem Menschen das beizubringen, was auch in ihm mal angelegt war, aber verkümmert ist.

Es bedeutet aber nicht, dass sich der Mensch dabei erniedrigen muß. Der Hund fordert eine starke, in sich ruhende, menschliche Persönlichkeit, um mit ihm die Kommunikation aufzunehmen.

Menschliche Eigenschaften wie lügen, sich verleugnen und durch Verbiegung selbst zu schwächen, sowie Ängste, durchschauen Hunde sofort und die Bewertung fällt verheerend aus, wie mir immer wieder die Vorstellungen Halter mit Hund zeigen.